Belgrad

Eine Intervention der Nato im Kosovo ist - mit oder UN-Mandat - kein schlüssiges Unterfangen. Um das einzusehen, braucht man das Vorhaben nur zu Ende zu denken. Es bieten sich zwei Optionen für eine Intervention an: Lufteinsatz oder Luft- plus Bodeneinsatz.

Wird nur aus der Luft interveniert, werden die einheimischen Streitkräfte möglicherweise ausgeschaltet und die bewaffneten Zivilisten zur einzigen militärischen Macht im Kosovo. Die Zahl der militanten bewaffneten Albaner wird zur Zeit auf 30 000 geschätzt. Selbstverständlich wird eine nicht mindere Zahl der serbischen Zivilisten sich dann ebenfalls bewaffnen. Das Ergebnis wäre ein Bürgerkrieg, der zu Schlimmerem führte als das, was im Augenblick geschieht.

Die zweite Option ist ein Lufteinsatz, ergänzt durch die Entsendung von Bodentruppen. Diese Art der Intervention käme einem Krieg gegen Jugoslawien gleich. Die Folge wäre, daß die westliche Allianz nach einem militärischen Erfolg die volle Verantwortung für das Land übernehmen müßte. Das aber hieße, ein Protektorat zu schaffen, nicht nur im Kosovo, sondern im ganzen Land.

Sind die westlichen Regierungen zu diesen Konsequenzen bereit? Politisch, finanziell, administrativ? Falls nicht, sollten sie von einem militärischen Eingreifen lieber erst gar nicht reden.

Wie aber kann ein politisches Konzept zur Behebung der Kosovo-Krise aussehen?

Es besteht aus mehreren kleinen Schritten.