Die Welt der Kunst", schreibt André Malraux in "Les Voix du Silence", "ist keine idealisierte, sondern eine grundsätzlich andere Welt."

Grundsätzlich anders vor allem, so könnte man ergänzen, als die Welt der Politik und doch in einem komplexen System des Austausches und der wechselseitigen Abhängigkeit mit ihr verbunden. Das französische "Genie im Ministersessel" wußte das selbst am besten, da es in Stirnhöhe mit de Gaulle als Anwalt der Kultur auftrat.

Einer wie Malraux wird in der Bundesrepublik derzeit stark vermißt. Ob es mit dem undurchsichtigen Europäisierungsprozeß zu tun hat oder mit der zögerlichen kulturellen Transformation Berlins zur Bundeshauptstadt? "Warten auf Malraux" nannte SPD-Denker Peter Glotz ein Manifest, in dem er klipp und klar fordert: "Die Republik braucht eine neue kulturpolitische Verfassung."

Vielleicht gar einen Bundeskulturminister?

Das sehen nicht alle so, am wenigsten die Länder, die 95 Prozent der öffentlichen Kultursubventionen ausschütten und die Welt am föderalen Wesen genesen lassen wollen. Wer ihnen mit dem Minister und einem stärkeren kulturpolitischen Zentralismus kommt, bekommt gern eins mit der schweren Keule "Reichskulturkammer" übergezogen.

Trotzdem: Der Titel ist im Umlauf, zuletzt von Gerhard Schröder zu einem Bundeskulturbeauftragten eingeschrumpft, über dessen Jobprofil und Kompetenzbreite man noch wenig weiß. "Vielleicht ist damit ja ein Kulturminister light gemeint", spottete Ilse Brusis, "Superministerin" für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, bei einer Podiumsdiskussion vergangenen Montag in Bonn. Eingeladen hatte die Kulturpolitische Gesellschaft zum Thema "Brauchen wir eine neue Verantwortung des Bundes? Kulturpolitik im föderalen Staat".

Brauchen wir? Nun, es gibt zumindest ein paar gute Gründe, darüber nachzudenken: Da ist zum einen der Bundestag, der in der laufenden Legislaturperiode auf einen Kulturausschuß und somit auf parlamentarische Kontrolle verzichtet. In dieses Vakuum fallen die einsamen Kanzlerentscheidungen bei Projekten von nationaler Bedeutung, mit denen niemand recht glücklich ist.