Mag sein, daß Daidalos wirklich einmal "das meistgeklaute Heft" in Architekturbibliotheken war. Unterdessen aber ist die Vierteljahreszeitschrift für Architektur, Kunst, Kultur langweilig geworden.

Und nun hat Bertelsmann mit Erscheinen der Nummer 68 das Blatt eingestellt.

Sein enragierter Gründer Ulrich Conrads hatte dem Verlag einst diese einzigartige Zeitschrift abgerungen, um sich "in das internationale Architekturgespräch, das weltweit in anspruchsvollen und mehrsprachigen Zeitschriften geführt wird, ... von Berlin aus" einmischen zu können - und verstanden zu werden. Deshalb wurden alle Beiträge nebeneinander auf deutsch und englisch gedruckt. Doch aus lauter Furcht vor dem "Leichtsinn des Feuilletons" ist dem verfallen, was ebenfalls zu vermeiden war, dem "akademischen Größenwahn", sagen wir: dem introvertierten Jargon der Experten, denen ihre Leser gleichgültig sind. Die Redaktion vergaß das Redigieren - und die Sprachkultur. Nun ist das alles passé. Das erste Heft war auf feinem gelblichem Papier gedruckt, das Layout hatte einen klassischen Zug

das Papier der letzten Ausgabe ist von bleichem Weiß, das zappelige Layout ist chic, und irritierend modisch jetzt sogar das Titelblatt. Letzte Fragen lauten so: Was ist "Post-Techno ohne Tanzunterstützungsfunktion"? Mag sein, daß irgendwer Daidalos eines Tages wieder neue Flügel anlegt.