Wimmer versteht seine Zeitung mit einer Auflage von rund 20 000 Exemplaren als eine Art Hyde Park Corner: Alle dürfen zu Wort kommen. "Wir haben nie eine Partei weggeschoben", sagt er, "auch die kommunistische nicht." Und kein Thema lande im Papierkorb. Aber unredigiert wandert keine Pressemeldung ins Blatt. Jede Information wird von der fünfköpfigen Redaktion überprüft.

Journalistische Unabhängigkeit sei "oberstes Gebot", sagt Wimmer streng.

"Protokolle von Jahreshauptversammlungen haben wir nie gedruckt."

Von ihren Lesern wird die Borbecker geliebt. Sie gehört zur Familie, und ihre Leser sind eine Familie. Rund achtzig Prozent aller Familienanzeigen von ganz Essen erscheinen in der Borbecker, und "die neidet uns die WAZ". Weihnachten gestattet das Blatt den kostenlosen Abdruck von Grußbotschaften - ein Service aus den Nachkriegsjahren, der half, Menschen wieder zusammenzuführen, die der Krieg getrennt hatte.

Heute schicken vor allem ehemalige Borbecker, von denen viele die Zeitung auch im Ausland weiter abonnieren, Grüße in die Heimat - in der letzten Weihnachtsausgabe füllten sie vier Seiten. Daß die WAZ ihre Zeitung jetzt so massiv angreift, wühlt die Leser auf. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet, um dieses "unersetzbare Stück Heimat und Kultur" zu retten. Viele Leserbriefe ähneln Liebesbriefen. "Die Borbecker Nachrichten sind das Herz der Borbecker", schwärmt eine Leserin. "Jede einzelne Ausgabe ist ein Meisterstück. Die Sonderausgaben zu Weihnachten und Ostern sind echte Kunstwerke."

Seit über dreißig Jahren werden die Borbecker Nachrichten bei der WAZ gedruckt

die WAZ ist sogar Mitinhaber der Zeitung, denn Wimmers Bruder verkaufte Mitte der achtziger Jahre seine Anteile.