Aus der Traum. Einen "schwäbischen Louvre" wird es nicht geben. Den wollte der schwäbische Multiunternehmer Rolf Deyhle nämlich als Krönung seines Lebenswerkes seiner Heimatstadt Stuttgart dereinst hinterlassen. Doch jetzt muß der Musicalkönig (Stella AG), der sich mit Immobilienprojekten übernahm (ZEIT Nr. 25/98), seine in vierzig Jahren angehäufte Sammlung südwestdeutscher Künstler des 20. Jahrhunderts verkaufen. Um die 6000 Arbeitsplätze seiner Unternehmensgruppe zu sichern, will der Unternehmer - in diesem Punkt ganz solider Schwabe - mit seinem Privatvermögen einspringen.

"Menschen sind mir wichtiger als jedes noch so schöne Kunstwerk", läßt Deyhle verlauten.

So kommen die rund tausend Bilder - darunter Werke von Georg Baselitz, Käthe Kollwitz und Oskar Schlemmer - demnächst unter den Hammer. Schon rangeln die großen Auktionshäuser um den dicken Brocken. Christie's und Sotheby's haben schon ihr Interesse angemeldet, aber auch das Stuttgarter Kunstauktionshaus Nagel möchte gerne das lukrative Geschäft machen. Wieviel die Sammlung wert ist, wird sich wohl erst am Ende der Versteigerungsserie herausstellen. Die bisher kolportierten Schätzungen reichen bis zu 450 Millionen Mark. Die Stuttgarter Museen, nicht gerade mit üppigen Einkaufsetats gesegnet, hoffen jetzt auf einheimische Sponsoren, damit wenigstens ein Teil der Kunstschätze im Ländle bleibt.