Die Kinos sind meistens voll, wenn es auf der Leinwand richtig blitzt und knallt. Das Publikum steht nun mal auf Explosionen. Auf Action setzen auch Anleger, die Makleraktien kaufen.

Beispiel Ballmaier & Schulz. Die Aktien des Wertpapierhändlers waren Anfang 1997 noch für 120 Mark zu haben, dann hoben sie ab, beschleunigten vor kurzem in einer Parabel bis über die Marke von 16 000 Mark und stürzten dann auf 11 000 zurück. Explosiv entwickelte sich auch die Aktie der Berliner Freiverkehr AG, die vor einem Jahr zu 100 Mark an der Börse startete und kürzlich über 4000 Mark katapultiert wurde.

Dagegen sehen die hochgejubelten High-Tech-Werte des Neuen Marktes vergleichsweise alt aus. Jetzt vermuten viele Anleger in jeder Brokeraktie die Lizenz zum Gelddrucken. Wertpapierhäuser wie Concord Effekten, Deutsche Balaton Broker, Gold-Zack, Kling, Jelko, Dr. Dehmel oder New York Broker wurden zu den heißesten Spekulationsobjekten der Börse.

Als Treibstoff der Kursraketen dienen die gewagten Schätzungen einiger "Experten". Die unterstellen kühn, daß die derzeitige Superhausse an den Börsen, die natürlich die Umsätze und die Provisionseinnahmen der Broker überschäumen läßt, einfach so weitergeht. Deshalb extrapolieren die Vorrechner die Maklerergebnisse einfach auf die kommenden Jahre und rechnen die Gewinne mit den derzeitigen enormen Zuwachsraten hoch.

Mit solchen Rechenkunststücken werden die Kurse im Fernsehen oder im Internet "gezielt hochgejubelt", beobachtet August Schäfer, Aufseher über die Frankfurter Börse. "Warum haben aber dann die Makler ihre eigenen Papiere so billig an die Börse gebracht, so weit weg von ihrem angeblichen Marktpotential?" fragt sich verwundert Professor Wolfgang Gerke von der Universität Erlangen-Nürnberg.

Wer auf dieser Basis Aktien kauft, begibt sich in Gefahr, warnen die Besonnenen. "Makleraktien leben von der Hausse und sterben in der Baisse", behauptet der Stuttgarter Finanzexperte Gerald Cesar. "Wenn sich die Börse wieder abkühlt, kommt es zu starken Ertragseinbußen", befürchtet Hans-Joachim Plückers vom Freimaklerbüro Schnigge & Partner. Das Geschäft könne sich in guten Zeiten verdreifachen, in schlechten aber auch dritteln, sagt der Brancheninsider. "Ich habe keine volatileren Bilanzen gesehen als die von Makleraktien", stellt August Schäfer fest. Viele Makler schrieben noch 1991 in ihren Bilanzen rote Zahlen, vier Jahre nach dem Crash von 87. Das beste Beispiel für die Volatilität der Makler seien Ballmaier & Schulz, die vor kurzem noch dicke Verluste machten. Schäfer hätte auch Berliner Freiverkehr nennen können: Der Aktienkurs sauste soeben in den Keller, weil der Makler im Verdacht steht, Insidergeschäfte betrieben und KUrse manipuliert zu haben.

Brancheninsider Plückers bezweifelt die angekündigten rosigen Zeiten. Der Konkurrenzdruck unter den Wertpapierhändlern wächst. Wegen der Elektronisierung des Börsengeschäfts, etwa über das computergesteuerte Handelssystem Xetra, würde das eigentliche Geschäft der Makler rapide zurückgehen.