Die Vereinigten Staaten haben ihre Einwanderungsgesetze erheblich verschärft. Das Antiterrorismusgesetz von 1996 erlaubt den Behörden, legale Einwanderer auch ohne Anhörung abzuschieben, wenn sie wegen "schwerer Verbrechen" verurteilt wurden. Davon ist ein Terrorist genauso betroffen wie jemand, der zweimal über ein Drehkreuz in der U-Bahn gesprungen ist.

Noch drastischer sind die Folgen des Gesetzes über die illegale Einwanderung von 1996. Seither sind beschleunigte Abschiebeverfahren üblich: Beamte der Einwanderungsbehörde dürfen Einreisende mit gültigem Visum abweisen und ein Einreiseverbot für fünf Jahre verhängen, wenn sie den begründeten Verdacht haben, daß jemand die wahren Motive für seinen Aufenthalt verheimlicht - etwa illegale Arbeit. Diese neue Politik erklärt sich aus der Tatsache, daß vierzig Prozent aller illegalen Einwanderer mit gültigen Visa ins Land kamen und blieben. Ende 1996 lebten etwa fünf Millionen Illegale in den USA, jedes Jahr werden es 250 000 Menschen mehr. Der größte Teil von ihnen - rund 2,7 Millionen Menschen - stammt aus Mexiko.

Schulen dürfen zwar illegale Schüler und Kliniken illegale Patienten weiterhin nicht der Einwanderungsbehörde melden. Diese macht aber Stichproben in Kliniken und Schulen und schiebt nichtregistrierte Einwanderer ab. Nur in Notfällen müssen Ärzte in öffentlichen Krankenhäusern illegale Einwanderer behandeln. Anders deren Kinder, sofern sie im Land geboren wurden: Sie sind US-Bürger und haben somit Anspruch auf Sozialhilfe, Gesundheitsversorgung und Schulausbildung. Werden ihre Eltern abgeschoben, dürfen sie bleiben.

Auch illegalen Einwanderern ist es neuerdings möglich, eine ständige Aufenthaltsgenehmigung, eine Green Card, zu bekommen - mit hohem Risiko: Sie müssen das Land verlassen, um die Green Card beantragen zu dürfen. Wenn sie die Green Card nicht erhalten, müssen sie mit einem Einreiseverbot von drei bis zehn Jahren rechnen.

Die neuen Gesetze wirken sich auch auf politische Flüchtlinge aus.

Asylbewerber haben nur noch dann ein Recht auf Anhörung vor einem Richter, wenn der zuständige Einwanderungsbeamte den Antrag für begründet hält und ihn befürwortet. Stimmt er zu, dauert es oft Jahre, bis das Gericht über den Asylantrag entscheidet. Während dieser Zeit werden die Asylbewerber in den meisten US-Staaten inhaftiert. So will man sie daran hindern unterzutauchen.

Etwa 100 000 Asylbewerber werden inzwischen jedes Jahr abgeschoben, viermal so viele wie vor der Gesetzesverschärfung. Doch Flüchtlinge lassen sich nicht abschrecken. Als Ende Mai ein Motorboot mit illegalen chinesischen Einwanderern vor New Jersey auf Grund lief, nahmen Beamte auch einen Mann fest, der fünf Jahre zuvor mit einem Frachter nach Amerika gekommen war, drei Jahre im Gefängnis gesessen hatte und schließlich nach China zurückgeschickt worden war.