Ein Serum, das Schwarze unfruchtbar macht. Mandrax-Granaten, die Demonstranten in lallende Blumenkinder verwandeln. Vergiftete Briefumschläge, Zigaretten und Schokoriegel. Ein selektives Bakterium, das Schwarze ausrotten und Weiße verschonen soll - unter dem Tarnnamen "Project Coast" stellten südafrikanische Biologen, Chemiker und Mediziner jahrelang perverse Versuche an, um die Vorherrschaft des europäischen Herrenmenschen zu verewigen.

Was jetzt zum Vorschein kam, als die Wahrheitskommission bei der Aufklärung von Apartheids-Verbrechen die Labors der weißen Wissenschaftler öffnete, übersteigt die monströsesten Fiktionen. Man könnte die Experimente als Ausgeburt kranker Hirne belächeln, wären sie nicht in die Praxis umgesetzt worden. Den Aktivisten Frank Chikane hätte beinahe eine toxische Unterhose getötet. Nelson Mandela, der Erzfeind des Burenregimes, sollte im Kerker mit Thallium vollgepumpt werden und allmählich verblöden.

Die Apartheid, 1948 zur Staatsdoktrin erhoben, hat in Politik, Ideologie und Wissenschaft nahtlos an die Nazis angeknüpft. Im "totalen Krieg gegen die schwarze Gefahr" war jedes Verbrechen recht. Natürlich will keiner der Präsidenten, Minister oder Generale von den obszönen Experimenten gewußt haben. Und alle tun so, als hätten sie die Namen der Forscher nie gehört.

Dabei war Koordinator Wouter Basson einst der Leibarzt von Ex-Staatschef Pieter Botha.

Doch das "Project Coast" zeigt auch die gemeingefährliche Dummheit der Wissenschaftler: Sie dokterten sogar an einer Wunderpille herum, die weiße Agenten in Schwarze verwandeln sollte, um inkognito in revolutionäre Zirkel einzudringen. Die Mission "Schwarzmacher" schlug fehl. Immerhin aber konnten Mengeles südafrikanische Erben eines beweisen: die Perversität des Rassenwahns.