Von Jakob Mierscheid wissen wir viel mehr als vom Diplomaten Edmund F.

Dräcker oder vom Verfassungsrechtler Friedrich Gottlob Nagelmann, mehr sogar als von ..., aber davon später.

Mierscheid, ein gelernter Schneider aus Morbach im Hunsrück, kam 1979 als Nachrücker in den Bundestag, wo er sich mit ungewöhnlichen Initiativen einen Namen machte. Seiner eigenen Fraktion, der SPD, empfahl Mierscheid, der bis heute kein eigenes Büro hat, große dressierte Hunde wohngeldfähig zu machen, um deren Unterbringungsmöglichkeiten zu verbessern. Gegenüber dem Präsidium des Bundestages regte er an, die "öden Plenardebatten" dadurch zu beleben, daß jeder Redner nur noch jenen Teil mündlich vortragen darf, der mit den Worten beginnt: "Ich komme zum Schluß und fasse zusammen."

Auch seine Kontrollfunktion als Parlamentarier erfüllte Mierscheid eigenwillig. So tauschte er sich in einem Briefwechsel mit dem Staatssekretär im Justizministerium, Klaus Kinkel, über die verfassungsrechtliche Relevanz der Mainlinie als innerdeutschen Nord-Süd-Äquators aus. Das größte Aufsehen erregte der Sozialdemokrat mit dem sogenannten Mierscheid-Gesetz, demzufolge sich "der Stimmenanteil der SPD nach dem Index der deutschen Rohstahlproduktion im jeweiligen Jahr der Bundestagswahl richtet".

All dies ist wahr und mit zahlreichen Faksimiles in einem Buch dokumentiert, das Rudolf Scharping dieser Tage in Bonn vorstellte: "Jakob Mierscheid - Aus dem Leben eines Abgeordneten" (Nomos-Verlag). Den Verdacht, bei Mierscheid handle es sich um ein Phantom, zerstreute der SPD-Fraktionsvorsitzende mit den Worten, der "Kollege" sei ihm "ein Vorbild".

Von Jost Stollmann, den Gerhard Schröder wenige Tage zuvor in Bonn als seinen künftigen Wirtschaftsminister präsentiert hatte, wissen wir erheblich weniger. Dem Vernehmen nach soll er, anders als Mierscheid, kein Mitglied der Partei sein, sich aber der SPD insofern nahe fühlen, als er gelegentlich in Jeans gesehen wurde.

Befragt nach seinem "Zukunftsbild für Deutschland", soll Stollmann geäußert haben, daß er sich "auf den Markt anstatt auf Konsolidierung konzentrieren wolle", was immerhin im Einklang mit seiner Bemerkung steht, das SPD-Parteiprogramm nicht zu kennen, aber gelegentlich einmal einen Blick hineinwerfen zu wollen.