Der Mann ist eine echte Herausforderung, und zwar nicht nur für die SPD, deren Kanzlerkandidat ihn als Schatten-Wirtschaftsminister in sein Team geholt hat. Jost Stollmann ist 43jähriger Erfolgsunternehmer aus dem Rheinland und hat bisher weder mit den Sozialdemokraten noch mit der Politik engeren Kontakt gehabt. Durch die Reaktion der verblüfften Medien zieht sich die unausgesprochene Frage: Darf der das? Daß er es könnte, will nach dem Gespräch mit ihm, an dem kein Parteimann teilnimmt, sondern nur Stollmanns langjähriger PR-Berater Reinhard Abels, niemand mehr abstreiten. Die sozialdemokratischen Beschlußlagen kennt er immer noch nicht auswendig, auch wenn er das Wahlprogramm mittlerweile gelesen hat - und damit einverstanden ist.

Stollmann ist die personifizierte Nach-Kohl-Ära. Er steht für die Überwindung des Reformstaus und hat zumindest eine klare Vorstellung von den Aufgaben eines Wirtschaftsministers am Ende der neunziger Jahre. Für die Berufsmahner der Wirtschaftsverbände ist der Unternehmer ein Enfant terrible. Der Mann, der mit 29 Jahren die Softwarefirma Compunet gründete, fiel nicht nur mit seinem Erfolg, sondern auch mit einer Anzeigenkampagne zum Standort Deutschland auf. Doch anders als das von den Verbänden übliche Lamento waren von ihm ganz andere Töne zu hören: "Standort ohne Zukunft: Quatsch!", hieß es da und: "Das Land ist gut für Erfolg. Laßt uns machen."

Vor knapp drei Wochen kam dann Gerhard Schröder und nahm ihn beim Wort: "Stollmann, mach." Warum er gerade bei der SPD eingeschlagen hat? In den großen wirtschaftlichen Fragen kann Stollmann keine Unterschiede zwischen den Parteien erkennen. Den Ausschlag gab eine Frage, die sich nach Ansicht des Düsseldorfers auch jeder Wähler stellen muß: "Welche Kombination hat die größten Aussichten, Veränderungen durchzusetzen? Da müssen Sie Ihre Wette machen." Seine läuft jetzt.

Die Partei ihrerseits hat beschlossen, ihn zu mögen. Am vergangenen Montag fragte Parteichef Oskar Lafontaine im Präsidium ultimativ, ob irgend jemand Einwände habe - da mochte sich niemand melden. Stollmann weiß, daß er seine Person und seine Vorstellungen den Sozialdemokraten erst noch nahebringen muß, "die sind durch mich stark gefordert".

Der Existenzgründer mit Amerika-Erfahrung muß kulturelle Gräben überwinden.

Er läßt aber keinen Zweifel daran, daß er seine Unabhängigkeit bewahren will.

Das gilt wohl stärker, als es im Drehbuch Schröders eigentlich vorgesehen ist. So hält der potentielle Wirtschaftsminister beispielsweise nichts davon, daß man ihm seine künftigen Staatssekretäre jetzt schon vorschreiben will.