Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyd's nimmt schrittweise Abschied von seiner altehrwürdigen Tradition: Chairman Max Taylor plant für die nächsten Jahre eine große Offensive am Versicherungsmarkt, aber Kleininvestoren - die sogenannten "Namen" - werden dabei wahrscheinlich vom Großkapital verdrängt.

Taylor will die Kleinen, die lange das Rückgrat der Institution bildeten, in keiner Hinsicht bevorzugen. Sie dürfen zwar vorerst weiter bei Lloyd's mitmachen, müssen aber die zusätzlichen Verwaltungskosten tragen, und langfristig gibt es für ihr Verbleiben keine Garantien. Jahrhundertelang brachten die "Namen" das Versicherungskapital bei Lloyd's auf, doch binnen zehn Jahren ist ihre Zahl von 34 000 auf 7000 geschrumpft. Auslöser war eine Krise zwischen 1988 und 1992, als Lloyd's gleich für mehrere Unglücke zugleich aufkommen mußte, darunter die Katastrophe um den Öltanker Exxon Valdez und die Straßenschlachten in Los Angeles. Milliardenverluste waren die Folge. Zur Rettung ließ Lloyd's Körperschaften als Investoren zu, und die stellen nun bereits sechzig Prozent der Zeichnungskapazität. Der Umgang mit den vielen kleinen Investoren gilt hingegen als veraltet und kostspielig.