Sollen Wettbewerbshüter den Softwareriesen Microsoft wegen Monopolmißbrauchs vor den Kadi zerren? Als Präsidentschaftskandidat fand Bob Dole schon die Frage unerhört: "Zwick mich einer - ich dachte, wir sind hier in Amerika." Heute klingt er ganz anders: "Es geht nicht an, daß ein Unternehmen allein den Zugang zum Internet kontrolliert, dem künftig größten Markt unserer Volkswirtschaft."

So ändern sich die Zeiten. Noch vor kurzem galt jenseits des Atlantiks, daß die Marktkräfte auf Dauer schon selbst mit zu großer wirtschaftlicher Macht fertig werden. Staatliche Eingriffe waren verpönt. Doch plötzlich feiern die amerikanischen Kartellwächter ein Comeback: Meldungen von neuen Antitrustverfahren sind mittlerweile fast so häufig wie jene über Megafusionen.

Zentralbankchef Alan Greenspan, eingefleischter Marktoptimist und Hüter der amerikanischen Währung, zeigte sich schon besorgt. "Wenn die Regierung zu stark eingreift, dann hemmt das Innovation und Wohlstand. Ich möchte hoffen, daß wir der Komplexität und der Dynamik moderner, offener Märkte ausreichend Rechnung tragen", meinte er vergangene Woche vor einem Parlamentsausschuß.

Die jüngste Klage gegen Microsoft ist nur der spektakulärste Fall. Die Wettbewerbshüter in Washington haben mittlerweile auch den Chipgiganten Intel ins Visier genommen, der weltweit 85 Prozent der Mikroprozessoren für Personalcomputer liefert. Vergangene Woche verklagte ihn die Federal Trade Commission (FTC): Er soll anderen Computerfirmen wichtige technische Daten vorenthalten haben.

Auf Druck der Antitrustabteilung des amerikanischen Justizministeriums, aber vor allem auch der Kartellwächter in Brüssel, will der Telekomkonzern MCI einen Teil seines Internet-Geschäfts an den britischen Konkurrenten Cable and Wireless verkaufen. Experten fürchteten, MCI und sein Fusionspartner Worldcom könnten das weltweite Datennetz monopolisieren, wenn sie im Juli endgültig Hochzeit feiern.

Aber nicht nur in der High-Tech-Branche werden die Wettbewerbshüter in den Vereinigten Staaten aktiv: Vergangenes Jahr stoppten sie beispielsweise die geplante Fusion der Bürowarenriesen Office Depot und Staples. Kürzlich zogen sie gegen den Zusammenschluß der Rüstungskonzerne Lockheed Martin und Northrop Grumman vor Gericht.

Fast scheint es so, als habe die jüngste Fusionswelle Amerikas die Furcht vor big government gedämpft und sein Mißtrauen gegenüber big business erweckt - ähnlich wie Anfang des Jahrhunderts. Damals zimmerten Wall-Street-Finanziers, allen voran J. Pierpont Morgan, Konzerne wie U. S. Steel oder International Harvester zusammen und brachten damit die trustbusters gegen sich auf.