Der Coup liefert auch in Deutschland reichlich Stoff für die Debatte um die multimediale Zukunft: Amerikas größte Telephongesellschaft, AT&T, will den zweitgrößten Kabelfernsehbetreiber des Landes kaufen. Und der heißt Tele-Communications Inc., kurz TCI genannt. Verschmolzen werden sollen die beiden zu einem riesigen Konzern, bei dem rund ums Fernsehen und Telephon geradezu alles zu haben sein wird.

Bislang waren klare Grenzen gezogen: Über AT&T führte man Ferngespräche und erhielt einen Internet-Zugang. Die sogenannten Babybells wickelten Orts- und Regionalgespräche ab, und Unternehmen wie TCI waren mit ihrem ganz speziellen Kabelnetz dafür zuständig, die US-Haushalte mit Nachrichten und Filmen zu versorgen. Der neue Teleriese hat künftig alles im Programm. Ein kluger Schachzug von AT&T, so die ersten Kommentare, auch wenn der Weg zu einem multimedialen Komplettangebot sowohl technisch als auch finanziell noch viel Zeit und Geld verschlingen wird.

Die Entwicklung in beiden Ländern ist, wie so oft übrigens, nicht vergleichbar. In den USA dürfte die Fusion der beiden Riesen am Ende zu mehr Wettbewerb führen. Mit einem Schlag hat sich AT&T mit dem Kabelnetz von TCI nämlich einen direkten Draht zu 33 Millionen Haushalten verschafft, den via Telephonstrippe bislang nur die regionalen Telephongesellschaften hatten. Nun wird das Gemeinschaftsunternehmen in deren Terrain eindringen können, vorausgesetzt, es rüstet die Fernsehkabel von TCI entsprechend um.

Die komfortablen Gebietsmonopole entstanden nach der Zerschlagung von AT&T im Jahre 1984. Seitdem durfte Ma Bell, wie der Konzern lange Zeit genannt wurde, nur noch Ferngespräche vermitteln und war deshalb bei der sogenannten letzten Meile zum Kunden auf die Leitungen der abgespaltenen Babybells angewiesen. Und das ließen die sich ziemlich teuer bezahlen. Inzwischen wächst in den Vereinigten Staaten also wieder zusammen, was seinerzeit entflochten wurde. Auch die Babybells bündeln ihre Kräfte: Von den ehemals sieben Konzernen sind nur noch vier übrig.

Im jungen Wettbewerb mangelt es noch an echter Innovation

Ganz anders hingegen verlief die deutsche Kabelgeschichte. Die einst staatliche Postbehörde wurde Anfang der achtziger Jahre vom damaligen Postminister Christian Schwarz-Schilling geradezu verdonnert, die ganz speziellen Kabel für die Rundfunk- und Fernsehverteilung zu verlegen. Die öffentlich-rechtlichen Programme sollten endlich private Konkurrenz bekommen. Seither besitzt die mittlerweile privatisierte Telekom zwei riesige Leitungsnetze: An ihren Telephonkabeln hängen rund 45 Millionen Haushalte, und rund 18 Millionen schauen via Kabel fern.

Inzwischen aber hat der technische Fortschritt dafür gesorgt, daß hierzulande die Doppelrolle der Telekom Wettbewerb und Innovationen eher behindert. Denn mit dem Ausbau der Fernsehkabel zu einer multimedialen Infrastruktur käme sie sich selbst beim Telephonnetz in die Quere. Gut also, daß der Fernmelderiese künftig fremde Investoren daran beteiligen will.