Wir können also aus dieser Entdeckung nicht erkennen, was Lachen ist, wo es angebracht oder deplaziert ist. Die Entdeckung eröffnet auch keine Wege, effektiver zu lachen - wenn es das überhaupt gibt - oder jemanden von chronischer Humorlosigkeit zu befreien. Es könnte aber sein, daß sich Wege eröffnen, jemandem, der aus physiologischen Gründen nicht lachen kann, durch eine Wiederherstellung dieses Gehirnareals, vielleicht einmal eine elektronische, zu heilen. Diese Aussicht lohnt die Forschung.

Woher wissen wir denn, was Denken, Fühlen, Trauern und Lachen ist? Wir wissen es aus Selbsterfahrung. Hätten die Umstehenden nicht aus Selbsterfahrung gewußt, was Lachen ist und wo es angebracht ist, hätten sie ja gar nicht bemerkt, daß die Patientin deplaziert lacht, sie hätten gar nicht gestaunt und demnach auch nichts über das Lachen entdeckt. Wenn es sich also zum Beispiel um Außerirdische gehandelt hätte, die nichts von Lachen wissen, da sie nicht lachen können, dann hätten sie nur Ursache und Wirkung feststellen können - also daß jene Reizung gewisse Laute und gewisse Muskelzuckungen bei der Patientin auslöst. Dann hätten sie alles exakt nach Parametern angegeben, aber das Wort Lachen wäre in ihrem Befund nicht vorgekommen. Sie hätten diese Daten zu den übrigen getan und nichts entdeckt.

Aber bitte, wenn das Bewußtsein keine Eigenschaft der Materie, kein Produkt des Gehirns sein soll, was ist es denn dann? Etwas Überirdisches oder Jenseitiges oder eine besondere geistige Substanz? Und wo bitte sind die entsprechenden Laborbefunde?

Solche Laborbefunde gibt es nicht und wird es wohl nie geben. Aber auch wenn wir Bewußtsein nicht als Substanz im Laborbefund vorweisen können, sind wir doch nicht berechtigt, die Erfahrung, die wir von uns selbst haben, zu übergehen, uns gewissermaßen künstlich dumm zu stellen.

Der Philosoph John Searle hat unser Problem so beschrieben: Es gibt eine Ontologie der dritten Person, das ist die Wirklichkeitsbeschreibung aus der Beobachterperspektive. Sie steht heute hoch im Kurs. Und es gibt eine Ontologie der ersten Person, das ist die Perspektive der Selbsterfahrung.

Die Ontologie der ersten Person kann nicht aus der Ontologie der dritten Person abgeleitet werden. Trotzdem kann sie nicht einfach beiseite geschoben werden als bloß subjektiv oder unwissenschaftlich. Denn wenn jemand sagt: Ich habe Schmerzen - und er lügt nicht -, kann der Arzt nicht antworten: Objektiv gesehen können Sie keine Schmerzen haben, also haben Sie auch keine. Er kann nur sagen: Die Ursache habe ich noch nicht gefunden - und weitersuchen und es erst einmal mit Schmerzmitteln versuchen.

Und die Ontologie der dritten Person kommt ohne die Perspektive der ersten Person nicht aus, siehe die Außerirdischen von vorhin. Wonach unterscheiden wir etwa ein Radio von einem Menschen, wenn sie doch beide verständliche Sätze von sich geben? Wir erkennen, daß der Mensch ein Wesen ist wie wir, das Radio aber nicht. Das Radio gibt Worte von sich, aber es antwortet nicht. Und es versteht nichts.