Windows 98 ist erschienen, begleitet von einer Hundertschaft Bücher, die das Betriebssystem erklären, obwohl es einfacher denn je gestaltet ist. Parallel dazu erscheinen etliche Biographien des obersten Windows-Meisters, die allesamt den neuesten Stand berücksichtigen wollen und doch wenig Neues berichten können. Selbst ein Krimi und ein (fiktives, aber höchst amüsantes) Tagebuch von Bill Gates finden den Weg in die Regale.

Die Halbwertszeit dieser Sorte Fachliteratur ist kurz. Immer häufiger erscheinen Bücher zu Computerthemen, die schon beim Druck veraltet sind. Vor allem die Memoiren vermeintlicher Protagonisten des Internet-Booms haben Konjunktur. Die allgemeine Online-Euphorie führt dazu, daß auch die banalsten Erzählungen zwischen Buchdeckel gepreßt werden. Bücher wie Michael Wolffs neues Werk "Burn Rate. How I Survived the Gold Rush Years of the Internet" sind eigentlich nur für einen kleinen Kreis von Insidern geschrieben, die mit Büchern wenig am Hut haben - wenn Wolffs Personenskizzen richtig sind.

Indes lassen die bisher bekannten Details unschwer erkennen, daß das elektronische Buch nicht der grosse Sprung in der Lesekultur sein wird, als der es jetzt von Marktstrategen gefeiert wird. Zwanzig Stunden halten die Batterien, dann ist der schöne Inhalt futsch. In Bussen und Flugzeugen wird es wie ein Handy behandelt, muß also ausgeschaltet bleiben, und ähnlich teuer wie die ersten Handys wird es auch sein: ein Spielzeug für die Szene, die Wolffs Bücher bevölkert. Den Markt für das Produkt gibt es wohl nur in den Träumen der Buch-Bauer: Vornehmlich ältere Leseratten sollen das elektronische Buch kaufen - Menschen, denen ein Laptop zu kompliziert ist, weil sie mit Windows 98 nichts anfangen können.