Fakten, Fakten, Fakten - und an die Leser denken. Wenn eine Journalistin diese Devise beherzigt, dann ist es Patricia Riekel. Seit Anfang 1997 bemüht sich die 49jährige Chefredakteurin der Bunten, wieder aufzuforsten, was ihr Vorgänger Franz Josef Wagner an verbrannter Erde im Promi-Land hinterlassen hat. Ein skandalfreies Society-Magazin, das war ihr Ziel und ist es noch. Doch in der vergangenen Woche mußte sie einen herben Rückschlag erleiden. In der Münchner Arabellastraße, so ist zu hören, sei die Stimmung wieder mal so düster gewesen wie bei der Affäre um Tom Cruise' Samenqualität.

Was war geschehen? Der Teufel muß Patricia Riekel geritten haben. Hätte sie doch einfach die Gegendarstellung von Prinzessin Caroline auf dem Titel der Nummer 26 abgedruckt ("Hierzu stelle ich fest: Ich bin nie mit einem Toten von Linz nach Paris geflogen"). Warum nur rollte sie erneut jene Story von dem Gast einer welfischen Jagdgesellschaft auf, der nach seinem plötzlichen Ableben rasch ins Ausland verschoben wurde? Erschöpft nach all dem Trubel, aber entschlossen pragmatisch erklärt sie es uns am Freitag abend: "Wir haben den Lesern erklärt, worum es geht. Der Anlaß lag schließlich schon viereinhalb Monate zurück. Die Geschichte von dem Tod des Mannes ist nie bestritten worden. Wir haben bei der Gelegenheit einige neue Fakten eingefügt."

Der abgeschlossene Roman in 20 Zeilen, Stückpreis 52 800 Mark. Und schon am nächsten Tag erschien, gleiche Stelle, gleiche Aufmachung, der nächste. Nicht etwa der Verleger selbst antwortete, sondern seine Angestellte Patricia Riekel. In ihrer Antwort schwang die Bunte- Amazone das Banner der Pressefreiheit. "Kein Sonderrecht für den Hochadel" und: "Wir können es nicht akzeptieren, daß Sie durch Prügeleien, Drohanrufe und Aufrufe zum Boykott die Presse einschüchtern." Frauenmut vor Fürstenthronen!

Die Idee der Prominenten, den Schauplatz des Geschehens vom Münchner Klatschblatt in die Frankfurter Tageszeitung der Intelligenz zu heben, war zumindest eine gelungene Überraschung. Oder gar die letzte Warnung, die niemand in München überhören kann? Burda-Sprecher Philipp Welte erkennt in dem Brief an Burda die "Verwirrung eines feudalen Anachronisten" und erklärt: "Die Grimaldis suchen das Licht der Öffentlichkeit, denn das ist der Treibstoff des Wirtschaftsunternehmens Monaco. Das Interesse der Öffentlichkeit kann man nicht an- und ausknipsen wie die Kronleuchter im Schloß." Daß auch Burda Treibstoff braucht, sagt er nicht.

Als Michael Graeter, der inzwischen abgelöste Klatsch-Junkie der Bunten, 1996 in Bangkok Caroline und Ernst August im "Oriental" überraschte, konnte er sein Glück über diese Exklusivmeldung kaum fassen. Er ahnte nicht, daß diese Begegnung der Beginn einer wunderbaren Feindschaft werden sollte. Denn die Berichterstattung des Burda-Blattes über die Grimaldi-Prinzessin steht unter einem Unstern. Ihr Hamburger Anwalt Matthias Prinz schöpft das Repertoire der Klagen, Gegendarstellungen, Schmerzensgelder aus - und es wirkt.

Wie aber steht es um Patricia Riekels journalistische Ehre? In ihrem Arbeitszimmer hat sie, für Besucher gut sichtbar, ein Photo von sich selbst mit ihrem Verleger aufgestellt. "Lady Boss" - sie hört es gern, wenn Stellvertreter Axel Thorer ihr schmeichelt. Aber sie weiß auch, wie viele ihr die Karriere neiden. Und nun noch diese öffentliche Auseinandersetzung. "Daß hier skrupellose Journalisten sitzen, die sich gemeine Schlagzeilen ausdenken, ist der schlimmste Vorwurf, den eine Zeitschrift treffen kann. Tatsache ist, wir haben nichts frei erfunden, im Gegenteil. Wann immer es um Caroline geht, sind wir besonders defensiv."

"Wer in ist, ist drin!" behauptet die Bunte- Werbung, eine tapfere Einordnung der eigenen Rolle. Tatsache ist: Auf das Wohlwollen des Champagner-Rudels ist das Blatt angewiesen, und wie rasch das übelnimmt, weiß niemand besser als Patricia Riekel, deren Zuträger strikten Informantenschutz genießen. "Die Prominenten möchten nur Positives über sich lesen. Sie reagieren äußerst empfindlich, wenn es mal realistisch wird."