Überall Fischschwärme, die mit der Regelmäßigkeit von Stoffmustern über Riesenleinwände dahinziehen, begleitet von psychedelischer Musik, die, entgegen ihrer besänftigenden Absicht, in Orkanlautstärke dröhnt. Nach einem Expo-Besuch gelingt es am Abend kaum noch, die einzelnen Länderpavillons auseinanderzuhalten. Denn allgegenwärtig schwimmen sie über Monitore, über Kino- und Bildschirmwände: große und kleine Fische, unter Wasser aufgenommen oder, computeranimiert, zu digitalem Leben erweckt. Dazu schreien ständig die Möwen, rauschen die Wellen, heult laut der Wind. Je monströser die Projektionswand, um so malträtierender der kakophonische Furor.

Einmal, im Pavillon der Norweger, hätte man gern einem Filmtext zugehört, der die allenthalben abgespulten Leerformeln zum Expo-Motto "Die Weltmeere, ein Erbe für die Zukunft" hinter sich zu lassen versprach. Doch da klingelte bei einer Besucherin das Handy. Und als sie's im Dunkeln endlich aus dem Handtäschchen gefischt hatte, war fortan nur noch ihr Stimmstakkato zu vernehmen, mit dem sie beschrieb, wo sie war und was sie gerade auf der Leinwand sah.

High-Tech-Mätzchen ermüden den Besucher auf die Dauer

Bildung und Information zu vermitteln gehöre zu den erklärten Zielen der Expo, heißt es in den Statuten der Pariser Genehmigungsbehörde für Weltausstellungen. Sie formulierte diese Thesen im Jahr 1928, als dieser Ringelpiez der Nationen schon lange nicht mehr mit industriellen Olympiaden verwechselt und eher als ein vergnügliches Volksfest angesehen wurde. Dennoch ist es erstaunlich, daß sich dieses seltsame Spektakel über zwei Weltkriege hinwegretten konnte.

Schon vor diesem Datum hatten sich Expos immer wieder als finanzielles Desaster erwiesen (eine Tradition, die sie wacker beibehalten) und dabei oft hervorragenden Stoff für nie gedrehte Filme hinterlassen. So endete die Wiener Expo des Jahres 1873 mit einem Defizit von sage und schreibe vierzig Millionen Mark. Der als schuldig befundene Cheforganisator Freiherr von Schwarz-Senborn wurde nach Washington strafversetzt, wo sein Leben in geistiger Umnachtung endete.

Auch während der universellen Expo in Sevilla vor sechs Jahren blieb die Gästezahl mit zehn Millionen um die Hälfte hinter den Prognosen zurück. Dabei glich die andalusische Völkerfete - im Gegensatz zum spröden Ambiente am Tejo - einem heiteren Ausflug ins Reich der Sinne. Wasserspiele spendeten allerorten feuchte Kühle und bewegliche Modulsegel reichlich Schatten, es war eine Lust, unter blühenden Pergolen zu flanieren.

Zurück blieb allerdings ein Defizit in Milliardenhöhe; gegen einige der Hauptverantwortlichen hat der Staatsanwalt vor kurzem Ermittlungen eingeleitet. Der Versuch, das Expo-Gelände auf der Flußinsel Cartuja in einen Technologie- und Freizeitpark zu verwandeln, schlug fehl.