Erinnert sich noch jemand an das HB-Männchen, wie es über die Leinwand tobte? An den Mann, der "meilenweit für eine Camel Filter" ging oder an die Brise von "Freiheit und Abenteuer", die uns im Kino schon vor dem Hauptfilm aus der Marlboro-Werbung anwehte? Gemessen an moderner Zigarettenwerbung, mögen diese Spots unbeholfen sein und ihre Slogans plump - und doch gehörten sie für Generationen von Kinobesuchern zum Programm wie heute die fröhlichen Exzentriker von West oder das Phantomimenspiel der Zigaretten bei Lucky Strike.

Vorbei.

Was das Werbeverbot bewirken wird, wenn es denn in Kraft tritt, das weiß niemand. Daß es die Menschen vom Rauchen abhalten wird, läßt sich mit guten Gründen bezweifeln, ebenso die Behauptung der Werbewirtschaft, nun müsse die Kinolandschaft veröden, weil kleine Lichtspielhäuser ohne Zigarettenwerbung nicht überleben könnten.

Sicher ist nur: Der Ministerrat hat eine Kunst verboten, ein ganzes Genre - die Kunst der kleinen Geschichte vor der großen, das Feuerwerk aus Bildern und Klängen, mit dem die Tabakwirtschaft um die Sympathie des Kinopublikums wirbt. Was bietet ein Action-Spektakel wie "Independence Day" mehr als der atemberaubende Sturz des Fünfmarkstücks durch die Mechanik des Zigarettenautomaten im Werbefilm für Lucky Strike? Was, außer Schießereien, hat ein klassischer Western einem Marlboro-Spot voraus?

Grund genug für einen kleinen Rückblick. Eigentlich hatte der Reporter nur um ein paar Videokassetten mit Zigarettenspots gebeten; nun trifft man sich in einem Konferenzsaal von British American Tobacco am Hamburger Alsterufer zu einem regelrechten Filmfest, organisiert von der deutschen Tabakindustrie. Vertreter von Philip Morris und Reemtsma werden die schönsten Werbefilme ihrer Marken präsentieren, Reynolds schickte eine Kassette mit Camel-Spots. Ein Experte vom Fachverband für Kinowerbung ist erschienen, die Gastgeber von B.A.T. haben sogar einen Hausjuristen hinzugezogen. Der Autor hat drei Freundinnen eingeladen, eine Exraucherin und zwei Raucherinnen, deren eine von Beruf Suchtforscherin ist.

Also dann, exklusiv für die ZEIT: das erste deutsche Festival des Tabakwerbefilms.

Gauloises, die Marke mit französischem Image, gehört zu British American Tobacco und wirbt mit Anekdoten, in denen Gauloises-Raucher erheblich besser aussehen und wegkommen als ihre jeweiligen Widersacher. Natürlich ist das durchsichtig. Aber die Geschichten sind nett erzählt, und wenn es nur die Spur einer Hoffnung gäbe, durch den Genuß von Gauloises so schön zu werden wie Henri, der seine böse Nachbarin allein durch einen Kuß bezähmt - man wollte auf der Stelle zum Gauloises-Raucher werden.