Er nimmt Abschied, ohne Pathos, aber voller Stolz: Seit 1990 hat Hinrich Lehmann-Grube Leipzig regiert, begleitet von der Zuneigung der Leipziger und von der Zustimmung der Opposition. Selbst die PDS nannte ihn "einen Glücksfall". Sein Erfolg war ein Erfolg für die Stadt, aber nicht durch charismatische Dominanz, sondern durch exemplarischen Dienst am Gemeinwesen.

Er setzte auf die zivilen Kräfte, die Traditionen und auf die verschüttete Identität der Messestadt. "Mein Beruf ist: Urbanist." Als er kam, war Leipzig "verfallen, grau, ganz unten". Als Pensionär kann er sich nun durch eine wieder auferstandene, lebensvolle Innenstadt bewegen. Leipzig hat wieder eine Zukunft, auch mit der Neuen Messe, und eine Stadtgesellschaft "voller Selbstvertrauen". Das Wort von der "Vereinigungskrise" lehnt er ab. Er selbst verkörpert, wieviel gelingen konnte. Als Optimist war er zugleich der schärfste Kritiker an der "nicht genügend professionellen" Vereinigungspolitik, allerdings "ohne Resonanz bei der politischen Klasse" in Bonn, wie er hinzuzufügen pflegte. Er achtete die Ostdeutschen, konnte zuhören und zugleich herausfordern er gab ein Beispiel, und er gibt es immer noch.