Was will man mehr mit vierzig: Partner bei McKinsey, Top-Industriekunden, die Aussicht, in zwei Jahren "Director" zu werden, einer im exklusiven Zirkel von rund zwei Dutzend Spitzenleuten in der Deutschland-Organisation des Beratungsmultis mit einem Jahreseinkommen von über einer Million Mark.

Wolfgang Huhn war ein gemachter Mann.

Um so mehr war McKinseys Deutschland-Chef Herbert Henzler überrascht, als ihm der promovierte Physiker im vergangenen Herbst eröffnete, neue Wege gehen zu wollen. Allerdings zog es Huhn weder zur Konkurrenz noch (wie viele seiner Kollegen vor ihm) in den Vorstand eines Beratungskunden. Aus dem sicheren Job lockte ihn vielmehr ein unternehmerisches Abenteuer. Gemeinsam mit dem Max-Planck-Wissenschaftler Andreas Thünemann, 33, und drei weiteren Mitstreitern gründete er eine Chemiefirma.

Der Chemiker Thünemann hatte am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Teltow bei Berlin eine neue Basistechnologie zur Beschichtung von Oberflächen entwickelt, die sich vor allem zur Beseitigung von Graffiti an Gebäuden hervorragend eignet. Die Aussicht, durch eine Vorbehandlung von Mauern und Fassaden mit der neuen Substanz Schmiereien endlich mühelos abwaschen zu können, verspricht einen lukrativen Absatzmarkt.

Gemeinsam mit einem Institutskollegen beteiligte sich Thünemann daher vor zwei Jahren am Businessplan-Wettbewerb von McKinsey. Mit ihrer Initiative wollte die Henzler-Truppe Wagemutige animieren, mit einer neuen Geschäftsidee ihre eigene Firma zu gründen.

Den beiden Wissenschaftlern fiel es zwar relativ leicht, die Marktchancen ihrer "innovativen Antihaft-Beschichtungen" darzustellen. An der weiteren Forderung, auch einen detaillierten Geschäftsplan vorzulegen, wären sie hingegen beinahe gescheitert. Vor allem für ein umsetzbares Finanzkonzept fehlte es ihnen an Know-how und Kontakten zu möglichen Anbietern von Wagniskapital. Hätte sich bei McKinsey nicht Wolfgang Huhn als Projektbetreuer der Sache angenommen, wäre es zur Gründung der Colloid Surface Technologies GmbH deshalb vermutlich auch nie gekommen. Nachdem ihm Max-Planck-Direktor Markus Antonietti die wirtschaftliche Verwertbarkeit der Thünemann-Technologie noch einmal als äußerst aussichtsreich bestätigt hatte, schrieb er in seinem Italienurlaub kurzerhand selber das fehlende Schlußkapitel des Businessplans.

Den Weg zu einem tragfähigen Finanzkonzept fand Huhn über einen persönlichen Kontakt zur Bad Homburger Technologieholding VC GmbH, hinter der so prominente Geldgeber wie die Deutsche Telekom, die Grundig-Stiftung und die Industriellenfamilie Quandt stehen. Die Wagnisfinanziers, die bereits an sechzig High-Tech-Unternehmen beteiligt sind, zeigten sich von den Chancen des Projekts nicht zuletzt deshalb überzeugt, weil ihr McKinsey-Gewährsmann bereit war, seinen Beraterjob an den Nagel zu hängen und selber als Geschäftsführer an die Spitze der geplanten Firma zu treten. Damit schloß sich eine Managementlücke, an der hierzulande immer noch viele kaufmännisch unerfahrene Wissenschaftler und Ingenieure bei der Vermarktung ihrer Technologie scheitern.