die zeit: Der Untersuchungsausschuß, der die Veruntreuung von DDR-Vermögen im Zuge der Vereinigung beider deutschen Staaten aufklären sollte, hat seine Arbeit beendet. Hat es sich gelohnt, Herr Beucher?

Friedhelm Julius Beucher: Wir haben viel zur Aufklärung des bei der Vereinigung verschwundenen DDR-Vermögens beigesteuert. Ohne die öffentliche Begleitung der Ausschußarbeit wäre vermutlich das Ermittlungspersonal für die Aufklärung der Regierungs- und Vereinigungskriminalität längst still und heimlich dezimiert worden. Und die Verjährungsfrist für Straftaten der mittleren Kriminalität wäre nicht bis zum Jahr 2000 verlängert worden. Ohne die Untersuchung könnte eine ganze Reihe von Strafverfahren nicht eingeleitet, geschweige denn abgeschlossen werden.

zeit: Hatte die Regierung denn kein Interesse an der Aufklärung?

Beucher: Das belegt schon der Umstand, daß die Regierung uns ganz gezielt wesentliche Akten vorenthalten hat. Zeugenvernehmungen wurden verschleppt und Beweisanträge vertagt. Auch deshalb konnten wir längst nicht alles aufklären.

Die vermuteten Machenschaften bei der Privatisierung der Leuna-Raffinerie an Elf Aquitaine liegen zum Beispiel weiter im dunkeln. So verständlich die Freude über die in Leuna geschaffenen Arbeitsplätze auch ist, so darf sie doch den Blick für die gemachten Fehler nicht trüben. Es geht hier schließlich um die Erschleichung von Fördergeldern und um Subventionsbetrug.

zeit: Sie haben im Bundestag sogar den Verdacht geäußert, in diesem Fall könne Bestechung im Spiel gewesen sein. Ist Geld geflossen?

Beucher: Der Verdacht der Bestechnung erhärtet sich zumindest. Die uns erst in den letzten Tagen überlassenen Papiere lassen eine andere Interpretation kaum zu. In einem vertraulichen Vermerk über ein Gespräch zwischen Vertretern der an der Privatisierung von Leuna beteiligten Firmen Thyssen und Elf Aquitaine wird zum Beispiel von "einer abgestimmten Vorgehensweise bezüglich der Bearbeitung der politischen Seite in Bonn" gesprochen. Und dieses Gespräch fand einen Monat vor Abschluß der Vorvertrags mit der Treuhand statt.