Der Star kam zum Mittagessen. Ganz überraschend und ganz leger.

Braungebrannt wie immer, schwarzes T-Shirt zu beigefarbenen Jeans. Erst gab es Antipasti, dann orecchiette mit Tomaten und Ricotta und einen glücklichen Reporter. Giorgio Armani war in Ostuni und hat sich, wie die Lokalzeitung tags darauf glaubt, in die Stadt verliebt.

Prominente und schöne Menschen, am besten schöne Prominente, sind gut fürs Geschäft, das weiß der Wirt der Trattoria. Etliche von ihnen lächeln auf großformatigen Bildern von der Wand. Schöne und prominente Menschen brauchen Plätze, die ihrer Eleganz würdig sind. Ostuni genießt unter den Orten an der apulischen Küste einen besonderen Ruf. Città bianca, die weiße Stadt, oder die weiße Königin der Olivenbäume sind zwei der Attribute, mit denen sich Ostuni ziert. Ein weißer Fleck in einer grünen Landschaft vor dem blauen Meer. Gleißende Tünche auf historischen Mauern. Ein buckliges Stadtgebilde von verwirrender Enge auf einem Bergrücken hinter der Küste. Meterhohe Mauern mit schießschartenartigen Fenstern. Eine mediterrane Festung.

Ostuni ist alt. So alt, daß man nicht nur Jäger aus der Zeit der Neandertaler als erste Siedler registriert hat. Delia, eine etwa zwanzigjährige Frau, deren Überreste man in der Grotta di Santa Maria di Agnano gefunden hat und deren Alter auf 25 000 Jahre geschätzt wird, ist heute im Museo di Civiltà Preclassiche dell Murgia Meridionale aufbewahrt.

Ostuni ist nicht die einzige weiße Stadt im Süden Apuliens zwischen Bari und Lecce. Auch in Cisternino und in Locorotondo findet man noch Stadtzentren mit verschachtelten Häusern, denen man weißen Kalk aufgestrichen hat.

Ostuni ist unter den weißen Städten die größte, die schönste vielleicht, die spektakulärste wahrscheinlich. Gute sechs Kilometer vom Strand entfernt, ziehen sich die Häuserreihen scheinbar spiralenförmig um den höchsten und markantesten Punkt, die Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert, in der sich gotische, romanische und auch venezianische Stilelemente zusammenfinden.

In einer Region, die im Lauf der Jahrhunderte allerhand Besucher zu verkraften hatte, sind solche Mixturen keine Überraschung. Lombarden, Byzantiner, Normannen, Schwaben, spanischer Adel - die Herren in Ostuni waren von höchst unterschiedlicher Provenienz. Auch die Frauen, so wie Caterina di Sanseverino, Herzogin von Tagliacozzo, die anno 1483 das Zentrum von Ostuni für 7000 Dukaten erwarb. Ihr folgte 1507 Isabella von Aragón, wenige Jahre später dann deren Tochter Bona Sforza. Der spanische Einfluß im 17.