Skandinavienurlauber, die bereits bei dem Anblick einer Fähre seekrank werden, können aufatmen: Über den Großen Belt führt seit Mitte Juni Europas größte Hängebrücke und schafft eine durchgehende Straßenverbindung von Mitteleuropa nach Kopenhagen. Allerdings verlängert die neue Autobahn den Weg von Hamburg in die dänische Hauptstadt gegenüber der Vogelfluglinie mit der Fährüberfahrt nach Ródby um rund 160 Kilometer. Der Zeitgewinn durch die Brücke wird vom Umweg aufgefressen.

"Darum wird die Vogelfluglinie sicher die erste Wahl bleiben", prognostiziert Reiner Walsch vom ADAC. Er sieht die Brücke zwischen den dänischen Inseln Seeland und Fünen aber als Alternative für Skandinavienreisende aus Nordwestdeutschland, vor allem an den Hauptreisetagen im Sommer, wenn Autofahrer am Fährhafen Puttgarden mit erheblichen Wartezeiten rechnen müssen.

Das Dänische Fremdenverkehrsamt erwartet außerdem, daß die Brücke mit ihren Superlativen - 1600 Meter Spannweite zwischen den beiden 254 Meter hohen Pylonen - selbst eine Attraktion ersten Ranges und Schaulustige von anderen Strecken weglocken wird. Auf einigen innerdänischen Fährlinien von und nach Seeland ist die Zahl der beförderten Fahrzeuge seit der Eröffnung der Brücke spürbar zurückgegangen.

Die Brückenmaut kostet für einen Pkw 210 Kronen, umgerechnet rund 56 Mark.

Motorradfahrer zahlen die Hälfte, Wohnwagengespanne fünfzig Prozent mehr.

Doch Caravanbesitzer werden an den beiden Brückenrampen nicht immer grünes Licht haben: Denn sobald die Seitenwinde aus Nord oder Süd mit mehr als 15 Metern pro Sekunde über die 72 Meter hohe Brücke pfeifen, dürfen die Gespanne mit ihren windanfälligen Anhängern nicht hinüber. Nach Berechnung der Brückenbetreiber tritt eine solche Wetterlage rund 200mal im Jahr auf, in der sommerlichen Hochsaison allerdings sehr viel seltener als in den übrigen Monaten. Einmal jährlich erwartet der Betreiber A/S Storebaelt auch Winde in Orkanstärke, die eine Vollsperrung der Beltbrücke erfordern.

Die Deutsche Fährgesellschaft Ostsee (DFO), die zusammen mit den dänischen Scandlines die Schiffe auf der Vogelfluglinie betreibt, sieht die neue Konkurrenz gelassen: "Zwar wird der Schienengüterverkehr jetzt komplett über die neue Strecke abgewickelt, aber beim Straßenverkehr spüren wir keine Auswirkungen", sagt DFO-Sprecherin Martina Golla-Paap.