Jordi Roma stellt seine Staffelei am Rande von Olot auf. Die Stelle ist sorgfältig ausgewählt. Generationen von Malern vor ihm schon haben genau von dieser Position aus die letzten von Buchen bestandenen Sümpfe im Tal gemalt.

Seit einigen Wochen kehrt Roma immer wieder hierher zurück. Er ist mit seinem Bild nicht ganz zufrieden. Es fehlt noch die spezielle Wirkung des Lichts.

Die Szenerie kennt er längst auswendig. Er könnte sie genausogut aus der Erinnerung in seinem Atelier malen. Schließlich ist es seine achte Variation des gleichen Sujets. Aber es kommt ihm darauf an, verschiedene Stimmungen des immergleichen Motivs festzuhalten. Das entspricht den Regeln der Oloter Schule, so wünschen es sich die Käufer der Bilder.

Auch Romas Malstil entspricht diesen Regeln. Farbgebung, Pinselstrich, alles folgt den Traditionen. Realistisch in der Ausarbeitung der Details, romantisierend in der Darstellung könnte man es nennen, wenn man gutwillig ist, Salonmalerei, wenn man es genau nimmt. Jordi Roma hält sich exakt an die Realität der Landschaft von La Garrotxa. Die Strommasten entlang der Straße und das Restaurant unter den Buchen ignoriert er in seinem Gemälde jedoch ebenso wie die parkenden Autos der Ausflügler. "Beides gab es im 19.

Jahrhundert hier noch nicht", erklärt er seine spezielle Sicht der Dinge.

"Wir malen die Welt so, wie sie einmal war, nicht so, wie sie heute ist."

Erfolgreiche Unternehmer bauten sich kunstvolle Villen Dabei ist Roma kein Greis, der den Wandel der Zeit verschlafen hat. Mit seinen 36 Jahren weiß er sehr wohl, daß seine Bilderwelt einen Anachronismus darstellt. Aber gegen den Vorwurf, verlogene Süßlichkeit auf die Leinwand zu bannen, wehrt er sich entschieden: Das Bedürfnis nach einer heilen Welt, nach schönem Schein sei gerade heute besonders stark.