Stimmungswechsel in der Wirtschaft. Ein Zeichen dafür ist das Papier "Initiative für Deutschland", das soeben 26 Manager veröffentlicht haben, darunter Hilmar Kopper (Deutsche Bank), Heinrich von Pierer (Siemens), Henning Schulte-Noelle (Allianz), Jürgen Weber (Lufthansa). Was ist an diesem Papier anders als an den vielen anderen, die mit der Bundesrepublik abrechnen? Der Ton. Nicht: Dieses Land ist heruntergekommen. Sondern: Wir können es schaffen!

Vorbei die Zeit des Deutschland-bashing, des masochistischen Draufhauens auf den eigenen "Standort". Die Flagellanten wollen sich nicht länger geißeln, das bringt weder Sündenvergebung noch Lustgewinn. Ergiebiger ist der neue Ansatz: Die Wirtschaftsführer üben zuversichtliche Kritik. Dank des Euro stünden die Zeichen "so gut wie schon lange nicht mehr". Die europäische Einigung eröffne "für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes erfolgversprechende Perspektiven". Das Glas ist nicht mehr halb leer, sondern halb voll. Was ist geschehen?

Im Wahljahr steht die Wirtschaft im Widerspruch zu sich selber - wie soll sie zugleich den deutschen Niedergang beklagen und den Aufschwung feiern? Die gute Konjunktur ist Helmut Kohls beste Freundin und Helferin. Wer Deutschland nur noch schlechtmacht, der sorgt dafür, daß die CDU erst recht schlappmacht am 27. September - oder verantwortet etwa die SPD, seit sechzehn Jahren in der Opposition, alle Übel und Blockaden?

Der neue Ton ist nicht nur Taktik. Die Wirtschaft nämlich sieht jetzt ein, daß es geschäftsschädigend war, Deutschland in Verruf zu bringen - im Gespräch mit Kunden in aller Welt gibt es bessere Verkaufsargumente. Der Miesepeter an der Spitze des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, ist inzwischen sehr einsam, und Hans Peter Stihl vom Deutschen Industrie- und Handelstag hat Kreide gefressen.

Die Asienkrise hat die Rückkehr zum Realismus beschleunigt: Deutschland ist nicht in guter Verfassung, aber woanders liegt noch viel mehr im argen. Die Bundesrepublik besinnt sich auf Stärken, die als Schwächen galten.

Arbeitgeber preisen die Mitbestimmung als "Standortvorteil" - man staunt.

Ausländische Firmen investieren wieder in Deutschland, im ersten Quartal 1998 doppelt soviel wie im ganzen Jahr 1997 - man freut sich. Auf die Zahlen ist zwar wenig Verlaß, diese Statistik ist mehr ein Ding der Psychologie als der seriösen Ökonomie. Aber auf die Psychologie kommt es an, das hat die Elite der deutschen Wirtschaft allmählich erkannt.