Wirtschaftlich gesehen logisch, daß es weitere Zusammenschlüsse geben wird", sprach's im Mai und verschmolz im Juni: Robert Shapiro, Chef des amerikanischen Bio-Tech-Konzerns Monsanto, fusioniert sein Unternehmen mit dem Pharma- und Chemiegiganten American Home Products. Ein Konzern der Superlative: Mit einem Umsatz von 23 Milliarden Dollar ist das noch namenlose neue Unternehmen der weltweit führende Pestizidhersteller, viertgrößter Pharmakonzern und rangiert international unter den ersten fünf bei Saatgut und Veterinärmedizin. Doch Shapiro geht es nicht allein um Größe, ihm geht es um eine neue Vision für Landwirtschaft und Ernährung. Und der ist er nun ein beachtliches Stück näher gekommen.

Shapiro wünscht sich, daß Monsanto vom Acker bis zum Teller präsent ist, er will die komplette Nahrungskette beherrschen. Dafür kauft er ein: Zunächst hatte er seinen Konzern für etliche Milliarden Dollar mit Genbanken, Patenten und Saatgutfirmen eingedeckt. Ende Mai wurde dann noch ein Joint-venture mit Cargill, einem Giganten im Lebensmittelbereich, verkündet, Anfang dieser Woche dann der Aufkauf von Cargills internationalen Saatgutgeschäften.

Dieser Schulterschluß von Bio-Tech-Industrie, Handel und Verarbeitung leitet eine neue Ära in der Nahrungsmittelproduktion ein. Denn auch andere Agrarkonzerne planen Allianzen mit global agierenden Handelshäusern und Lebensmittelkonzernen. Diese Konglomerate werden die Landwirtschaft radikal verändern: Wer welche Tiere mästet, wer wo welche Pflanzen anbaut, darüber bestimmt künftig mehr und mehr die Industrie.

Die Industrie bestimmt künftig, welche Tiere gemästet werden

Bis vor wenigen Jahren noch war Monsanto ein klassisches Chemie- und Pharmaunternehmen. Mittlerweile ist es eine Speerspitze der Bio-Tech-Industrie für Stall und Acker. Milchkühe werden in den USA mit Monsantos Hormonen zur Höchstleistung gespritzt, Zigmillionen Hektar Soja, Baumwolle, Mais und Kartoffeln - alle gentechnisch verändert - tragen in den USA und Südamerika ein Monsanto-Patent. Doch die Kunden von morgen sind nicht mehr nur die Landwirte, sondern auch die Verarbeiter von Mehl und Fleisch, die Fabriken für Keks und Klops, Firmen wie Nestlé und McDonald's.

Shapiro erläuterte diese Strategie schon vor einem Jahr so: "Die nächste große Wertsteigerung steckt in dem Versuch, ein zusammenhängendes System für den gesamten Prozeß zu schaffen - von der Saat über die Ernte hin zu Nahrungsmitteln, zu Gesundheit und Wohlbefinden." Etwas durchgeknallt und im Einkaufsrausch wähnten ihn damals viele Analysten. Monsanto werde sich finanziell übernehmen und so zur Beute für andere Branchenriesen, unkte die Konkurrenz. Nun aber ist der Konzern durch die Fusion mit American Home Products wieder liquide, und zusammen mit Cargill könnte Shapiro tatsächlich das System vom Acker bis zum Teller kreieren.

Cargill betreibt weltweit die Lagerung, Verarbeitung und Vermarktung von Getreide und Ölfrüchten: Cargills Silos stehen in den bedeutenden Agrarzentren von Nord- und Südamerika, in Asien, Europa und Australien. Der Firma gehören Verladestationen in den großen Überseehäfen, Hochseefrachter, Getreide- und Ölmühlen, Eisenbahnwaggons, Futtermittelwerke, Mälzereien und Anlagen zur Stärkeverarbeitung, Mästereien, Schlachtereien und Verpackungsunternehmen. Und Cargill rangiert hinter Konzernen wie Nestlé, Unilever und Philip Morris auf Rang sechs der Lebensmittelbranche. Der Konzern gehört zu den größten Saatgutunternehmen, ist führend im Handel mit Kakao, Baumwolle, Orangensaftkonzentrat und Salz. Er setzte so im vergangenen Jahr 56 Milliarden Dollar um.