Verteidigungsminister Volker Rühe hat kurz vor Parlamentsschluß wieder mal seine Stärke bewiesen. Die Rüstungslobby im Bundestags-Haushaltsausschuß stand jedenfalls stramm und beschloß rasch noch neue Rüstungsprojekte - für zunächst zwei Milliarden Mark. Völlig zu Recht sprach MdB Oswald Metzger (Bündnis 90/Die Grünen) von "Kuckuckseiern im Nest der nächsten Regierung".

Das Wichtigste des ziemlich einmaligen Vorgangs in Kürze: Die Marine bekommt ein zweites Versorgungsschiff (255 Millionen Mark), obwohl es erst nach 2002 benötigt wird. Daß Rühe die Beschaffung vorzog, ist ein Geschenk an die wahlkampfführende "Küstengang" der Koalition. Die davon profitierenden Werften wiederum werden sich auch revanchieren - mit einer Meldung über zusätzliche Arbeitsplätze. Minister Rühe wurde ebenfalls belohnt. Die Koalition bewilligte ihm endlich den Kauf von zwei gebrauchten Airbus-Maschinen für die Flugbereitschaft - Kostenpunkt 283 Millionen Mark.

Damit sollen die Bundeswehrpassagiere, also vorzugsweise VIPs aus Parlament und Regierung, in Zukunft noch kommoder rund um den Erdball transportiert werden. Wenige Tage zuvor hatte der Bundesrechnungshof beanstandet, daß der Flottenbedarf "noch nicht ganzheitlich und abschließend begründet" sei. Daher sei "jede weitere Airbus-Beschaffung möglicherweise ein Schritt in die falsche Richtung". Die Hardthöhe bügelte die Kritik jedoch wie gewohnt ab und erhielt zudem grünes Licht für die Entwicklung Gepanzerter Transportfahrzeuge (GTK). Dabei hat der Hof bemängelt, die Kosten für Entwicklung und Beschaffung des GTK seien um zwei Milliarden Mark zu niedrig angesetzt.

Offenbar ließ Rühe das Projekt von acht auf sechs Milliarden Mark schönrechnen. Die Hardthöhe dementierte das, Rühe blieb cool, und die Rüstungslobbyisten konnten ebenso wie ihre Auftraggeber ungestört Champagner kredenzen. "Es könnte aber eine der letzten Partys für die Rüstungsindustrie gewesen sein", meint jedenfalls Oswald Metzger. Grün ist eben die Hoffnung.

Gefördert Für Gerd Langguth, früher CDU-MdB, ist die Hoffnung freilich schwarz. Von der Sonne des Kanzlers beschienen und entsprechend gefördert - er war schon Staatssekretär, Berlin-Bevollmächtigter und Leiter der EU-Vertretung -, will und soll er Chef von Inter Nationes (IN), dem Institut der Regierung zur deutschen Kulturpflege im Ausland, werden. Aber die Kraft der Sonne läßt nach. Bei gut demokratischer Wahl klappt es nicht mit Langguth. Nachdem schon seine Wahl im Verwaltungsrat nicht durchsetzbar war, fiel er auch bei der Wahl durch die Mitgliederversammlung von Inter Nationes deutlich durch. Und das, nachdem zwei Mitbewerber - FDP-Parteisprecher Hans-Rolf Goebel und Gerd Pflaumer vom Bundespresseamt - zuvor verzichtet hatten. Langguth ficht die Abfuhr nicht an. Er steht weiter zur Verfügung und darf hoffen. Nachdem Presseamtsstaatssekretär Peter Hausmann geschaßt wurde, übernahm Kanzleramtsminister Friedrich Bohl den Vorsitz im IN-Verwaltungsrat. Bohl ist nicht nur dafür bekannt, daß er dem Kanzler jeden Wunsch von den Augen abliest, sondern auch dafür, ihn gegen jeglichen Widerstand durchzusetzen.