Wer nicht hat, der sucht. Das russische Parlament beteiligt sich an der Jagd nach dem flüchtigsten Element des modernen Rußland: dem Geld. Die Duma beschloß, daß ab 1. Juli an russischen Grenzen und Flughäfen Gebühren erhoben werden. Der Grenzgang kostet künftig 0,8 Prozent des russischen Minimallohnes, das sind knapp 20 Mark. Die russischen Kommunisten haben sofort überlegt, wie sie ihre Klientel entlasten können. So sollen nach dem Vorschlag des Deputierten Wiktor Iljuchin Kriegsveteranen aus dem In- und Ausland nicht zahlen, vorausgesetzt, sie haben bis 1945 in der "Anti-Hitler-Koalition" gekämpft. Die Zeitung Russkij Telegraf regte daraufhin an, den Kreis der Nichtzahler um Ausländer zu erweitern, die gegen die Nato-Osterweiterung sind. Umgekehrt aber sollten diejenigen, die sich schlecht über Rußland äußern, die doppelte Gebühr zahlen. Ob der Vorschlag eine Mehrheit findet, stand bis zum Redaktionsschluß nicht fest.