Wer die Regeln des Hauses nicht akzeptiert, muß erzogen werden: die ziemlich Jungen wie die ganz Alten. Darin sind sie sich nämlich ähnlich, sie steuern das Glück direkt an, ohne Umweg, das heißt unvernünftig. Oma - sprich Groma - werden mit Beruhigungstabletten die "kindlichen Trotzreaktionen" abgewöhnt, die Kinder sitzen am Familientisch, werden zuerst gefragt und dann mit zwei gegen drei überstimmt: "Das geht einfach nicht."

Der Fall ist nicht neu: Oma kann nicht mehr allein wohnen, braucht Pflege, soll ins Altenheim, es fällt uns nicht leicht, aber es ist das Vernünftigste, wir wollen sie gut versorgt wissen, in "den richtigen Händen".

Der einzige Haken dabei: Groma. Sie wehrt sich gegen Bettsocken, liebt ihren Schwarzweißfernseher neben sich auf dem Kopfkissen, ißt lieber Joghurt und Schachtelkäse mit Schinkengeschmack als "Artischockenherzen und Kalbsleberchen auf Madeirasauce". Und - sie will noch einmal den Lago Maggiore sehen und riechen, die Luft und das Wasser spüren, dort wo sie mit Alois auf Hochzeitsreise war.

Der Schweizer Lukas Hartmann wagt eine Gratwanderung zwischen Kinderroman und Sozialdramolett und besteht: Die Kinder entführen Groma aus dem Luxusaltersheim und erreichen den Lago Maggiore. Ganz real und doch märchenhaft. Mit Hilfe eines alten Verehrers und dessen Neffen, eines jungen Erfinders, der den Rollstuhl "Wondertscheer" für Oma konstruiert - eine Mischung aus James-Bond-Wundermobil und Ikarusflügeln - übertölpeln sie Eltern, Heimleiterdrachen und Polizei und machen wahr, was nicht sein darf.

Doch, keine Angst, hier retten keine fünf Freunde oder drei Fragezeichen eine fidele Oma, unverwüstlich und kumpelhaft, Lukas Hartmann setzt das Maß höher.

Groma kann Menschen oft nicht mehr auseinanderhalten, trägt Windeln und findet mit dem Löffel den Mund nicht, ist störrisch und manchmal verwirrt.

Nicht nur die Vernunft steht also auf seiten der Eltern, die sich weigern, Groma zu sich zu nehmen, auch Selbstschutz und gesunder Egoismus. Nur, Cassius, Clara und Cornflake - dreizehn bis acht - stellen ihre Phantasie gegen das Pflasterdenken der Erwachsenen, die Schwierigkeit mit dem Denkbaren schlägt nicht auf das Buch zurück, sondern auf den Leser, der sich fragen darf, wo seine Menschlichkeit geblieben ist.