In Kurt Krens allererstem Film von 1956 ist sein Wiener Freund, der Dichter Konrad Bayer, zu sehen seine letzten Laufbilder hat er 1997 mit Christoph Schlingensief gedreht. Dazwischen ist ein Werk von fünfzig kurzen Filmen aufgespannt, für das die gebräuchlichen Begriffe "Avantgarde", "Underground" oder "Experiment" ebenso eng und läppisch erscheinen wie für die Arbeit Bayers oder Schlingensiefs. Krens Filme im Umfeld der Wiener Aktionisten haben ihn bekannt gemacht, aber sie verzerren auch den Blick aufs Ganze. Kren (1929-1998) war Teil eines schmalen Bands im Kino, das keine Waren befördert, sondern Wahrnehmungen: Seine Filme verlangen neue, schnellere Augen. Sie zeigen Plätze, Menschen, Bewegungen ganz verdichtet, in kurzen Schnitten zu neuem Zeitmaß gefügt. Sein Denken in Bildern kreist um Sehen und Zeit, so wie in "Zeitaufnahme(n)" (1973) und "tausendjahrekino" (1995). Aber das Wirkliche, die Körper und die Natur, bleibt darin sichtbar aufgehoben. Zwei seiner schönsten Filme heißen "Bäume im Herbst" (1960) und "Tree Again" (1978). Bis 1968 war Kren Bankbeamter, nach dem Skandal um die Aktionisten verließ er Wien, lebte in Köln, München, im Auto und in Houston, Texas, wo er als Museumswärter unterkam. Seine Lebensweise nannte er fröhlich "Selbstmord auf Raten".