Der Song beschreibt ein eindrucksvolles Comeback: "Football is coming home" lautet die Botschaft der Fußballhymne, die seit der Europameisterschaft 1996 in allen Stadien angestimmt wird. In den achtziger Jahren nämlich hatte man den englischen Fußball abgeschrieben. Hooligans randalierten in den Stadien, auf morschen Rängen wurden rassistische Haßgesänge angestimmt.

Heysel, Bradford und Hillsborough markierten den Tiefpunkt. Zuschauer wurden an Gittern zu Tode gedrückt, Tribünen brannten ab beim Europacup-Finale in Brüssel zwischen Liverpool und Juventus Turin starben nach den Ausschreitungen von englischen Hooligans 39 Menschen. Fünf Jahre lang wurden englische Vereinsmannschaften aus allen europäischen Pokalwettbewerben verbannt - die wohl wirkungsvollste Methode, grenzüberschreitenden englischen Hooliganismus auszuschalten.

Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Fußballszene dramatisch verändert. Auf der Insel ist Hooliganismus weitgehend verschwunden - durch neue Gesetze, verbesserte polizeiliche Überwachung und umfassende Modernisierung der Fußballarenen. Die meisten Stadien sehen wie aus dem Ei gepellt aus - glatt und perfekt. Überdachte Sitzplätze haben die Stehränge ersetzt. Damit starb eine Tradition: Hier trotzten früher die singenden Fans dem Wetter, fröstelten im eiskalten Wind, wurden vom Regen durchnäßt - Fußball als heroischer Akt der Loyalität, der oft in der Konfrontation mit fremden Fußballstämmen mündete.

Heute geht es in den Stadien komfortabel und sicher zu, wenngleich stets unter den Augen der Videokameras. Rivalisierende Fangruppen werden strikt voneinander getrennt, auswärtige Anhänger läßt man oft erst eine Stunde nach Spielschluß aus den Stadien heraus, um Zusammenstöße mit heimischen Fans zu vermeiden. So konnte man es sogar wagen, die Gitterzäune um die Spielfelder herum zu entfernen. Alkohol, die Droge der Fußballgewalt, ist nirgendwo erhältlich. In einer weiten Zone rund um die Stadien gilt striktes Alkoholverbot. Die Besucher werden am Eingang nach Flaschen und Bierdosen abgetastet. Besonders brisante Spiele finden vormittags statt, in der Erwartung, daß die meisten Fans dann noch nicht angesäuselt erscheinen werden.

Ertappte Schläger erhalten Stadionverbot Überdies hat der Gesetzgeber neue Delikte definiert. Wer rassistische Haßgesänge anstimmt, denen farbige Spieler jahrelang ausgesetzt waren, macht sich strafbar. Ertappte Hooligans erhalten auf Jahre, wenn nicht auf Lebenszeit, Stadionverbot von ihren Vereinen. Eine Spezialeinheit zur Bekämpfung des Hooliganismus, der National Criminal Intelligence Service, sammelt Daten über die Hooligan-Szene, koordiniert die Fahndungsarbeit der verschiedenen Polizeikräfte und führt eine immer wieder auf den neuesten Stand gebrachte Liste der gerichtsnotorischen Gewalttäter.

Als besonders schwierig erweist sich der Kampf gegen Drahtzieher aus dem rechtsextremistischen Milieu, die regelmäßig für Randale bei Auswärtsspielen der englischen Nationalmannschaft sorgen. Bereits in den achtziger Jahren konnte die britische Polizei nach Fahndungen im Großraum London beweisen, daß in der Szene langfristig geplant wurde. Krawalle im "feindlichen Ausland" wurden über Monate hinweg vorbereitet. Nichts blieb dem Zufall überlassen, weder Treffpunkte, Zeitpunkt des Zuschlagens noch die Organisation der Anreise. Internet und mobiles Telephon machen es diesen Hooligans noch leichter.

Der Fußballsport mit seinen Stammesloyalitäten, dem Macho-Image und den zahlreichen jungen, männlichen Anhängern - die Autorin Germaine Greer spricht von "wandelnden Testosteron-Bomben" - bietet fruchtbaren Boden für neofaschistische Saat. Fußballkrawalle laufen meist nach dem gleichen Muster ab: Ein paar Dutzend entschlossene Hooligans schlagen zu. Das weitere ergibt sich in der aufgeheizten Atmosphäre. Gerade im Ausland ist ein Solidarisierungseffekt unter Landsleuten leicht auszulösen.