Seit 24 Semestern schlägt sich Eduard B. mit dem Studiengang Sozialpädagogik in Bremen herum. Studium bedeutet Mühe, einleuchtend, daß Herr B. da keine Zeit für eine Erwerbstätigkeit fand. Pech auch für seine nichtehelichen Kinder Hannes und Michel, die von ihrem Papa noch nie auch nur eine Mark Unterhalt gesehen haben. Die Unterhaltszahlungen für die Buben müßten wohl ruhen, bis der Abschluß komplett sei, hatte sich der heute 39jährige Eduard B. gedacht.

Hannes und Michel sind heute fünfzehn und vierzehn Jahre alt, und so kommt es, daß mittlerweile 63 000 Mark Schulden aufgelaufen sind, ohne Zins und Zinseszins, versteht sich. Einen Teil dieser Summe, rund 22 000 Mark, hat das Sozialamt fürsorglich den Kindern und ihrer Mutter, der Krankenschwester Helga U., vorgestreckt, auf den Großteil haben sie verzichten müssen. Es waren die Mitarbeiter des Sozialamtes, denen die Geduld ausging und die den Studiosus anzeigten, so daß Herr B. nun vor dem Bremer Amtsgericht steht und gar nicht einsehen mag, daß er seine Unterhaltspflicht verletzt haben soll.

Er habe doch nichts, bedeutet er dem Richter sanft.

Herr B. erklärt, sein Studium neige sich dem Ende zu, die mündliche Prüfung stehe bevor, dann nur noch die Diplomarbeit, und irgendwann werde er gewiß auch eine Arbeitsstelle bekommen. Beobachtet man den hageren Angeklagten, der wie ein verstörter Vogel auf seinem Platz herumhüpft, kann man sich allerdings nur schwer vorstellen, wie er Menschen in Not beispringen soll.

Offenbar stört es ihn nicht, daß seine Söhne längst volljährig sein dürften, wenn ihr Vater dereinst seine Berufstätigkeit aufnehmen wird.

Er habe eigentlich gar nicht recht studieren können, sagt Herr B., weil er immer für die Kinder "der Helga" dagewesen sei, etwa wenn sie mal im Krankenhaus einen unpassenden Dienst hatte. Dann hat der Vater seinen Kindern das Frühstück bereitet, sie in den Hort oder die Schule gebracht und manchmal sogar wieder abgeholt. "Ach, hören Sie doch auf mit dem Stuß", explodiert der Richter - es sei ein starkes Stück, an der Uni rumzugammeln und das in Ordnung zu finden, weil man den Kindern mal die Nutella aufs Butterbrot geschmiert habe.

Während sich Helga U. in Nachtschichten aufrieb, verstand sich Eduard B. auf eine kommode Lebensform. Nach der Trennung von der mittellosen Mutter seiner Kinder hatte er eine solvente Kommilitonin erobert, Frau Christiane P., im Oktober 1990 bekam er mit ihr ein weiteres Kind. Sie habe das Geld, er stehe ihr mental im Studium bei, beschreibt der Angeklagte das Miteinander. Von dem Vermögen, daß Frau P. einst von ihren Eltern geschenkt bekommen hatte, zweige sie etwa 3000 Mark netto monatlich für den Lebensunterhalt ab, sagt die Zeugin P., das reiche fürs mietfreie Leben und gelegentliche Reisen nach Frankreich und Dänemark.