Nachdem ich 1997 in Kiel mein Erstes Staatsexamen in Geschichte und Englisch abgelegt hatte, wurde mir an der University of Oxford eine Doktorandenstelle angeboten und damit die Möglichkeit eröffnet, mit einer Arbeit über die Beziehungen zwischen England und dem Papsttum im 14.

Jahrhundert den englischen Doktorgrad zu erwerben. Doch die Flut meiner Anfragen bei den hiesigen Stiftungen schwappte als Woge der Ablehnung zurück.

Es herrscht offensichtlich ein frappierendes Mißverhältnis zwischen den allenthalben vollmundigen Forderungen nach akademischer Mobilität und internationalen Qualifikationen und der tatsächlichen Förderungsbereitschaft der deutschen Stiftungen. Soweit es sich bei ihnen um Körperschaften handelt, die öffentliche Gelder verteilen, handelt es sich um ein Politikum. Mit dem nationalen Monokel im Auge läßt sich im Europa des 21. Jahrhunderts jedenfalls keine Bildungspolitik betreiben, will man mit der scientific community Schritt halten.

Karsten Plöger Kiel

Ein wichtiger Grund, daß deutsche Akademiker nicht im Ausland promovieren, ist, daß die Anerkennung aufgrund eines "Nazigesetzes" von 1939 meist nicht voll gewährleistet ist. So müssen zum Beispiel deutsche Doktoren, die in USA, Polen oder Ungarn promoviert worden sind, einen Hinweis auf das Land oder sogar auf die Hochschule, also zum Beispiel "Karl-Marx-Universität Budapest", dem Titel hinzufügen.

Dr. Frank Grätz Berg. Gladbach

In dem angeführten Fall eines deutschen Historikerstudenten stünde das Deutsche Historische Institut in London selbstverständlich bereit, eine Doktorandenförderung zu übernehmen. Auch das Institut für Europäische Geschichte in Mainz "rechnet" mit diesem Typus und vergibt einen Gutteil seiner Stipendien an Deutsche, die im Ausland - meist in der angelsächsischen Welt - eine Promotion betreiben. Arne Perras' Artikel sollte indes zum Anlaß genommen werden, die Förderpraxis auch der großen Stiftungen zu überprüfen.