Die Trennlinie zwischen Normalität und Katastrophe war hauchdünn. Sie zu queren mußten erst zusammenkommen: ein Radreifen mit Schrumpfsitz, drei Wochen vor Ende der vorläufigen Genehmigungsdauer für diese - wohl nicht unzweifelhafte - Konstruktion, eine Weiche im Fahrweg unmittelbar an der Straßenbrücke, eine Brückenkonstruktion ohne Rammschutz vor Pendelstützen (wie an den Autobahnen nach einschlägigen Unglücken bereits nachgerüstet), eine komfortable Geräuschdämmung - und damit die abrupt veränderte Geräuschkulisse kaum bedrohlich genug, die Fahrgä ste mehr als zu irritieren, hundert Sekunden, die friedlich verstreichen (bei 55 m/s), während - aus was für Motiven auch immer - niemand etwas unternimmt. Letzteres ist in der Tat der Punkt, der jetzt jeden Bahnreisenden quälen muß: Hätte ich Idee und Mut gehabt, die Notbremse zu ziehen? Wie hätten Sie gehandelt?

Walther Mathieu Aachen