Es ist alles noch mal gutgegangen. Ein Netzwerk kleiner und großer Katastrophen, dem wir da soeben entronnen sind. Aber wir wollen lieber gleich zurückblättern, dem Gedankenspiel glücklich-unglücklicher Verkettungen auf der Spur. David Macaulay hat eine Perlenkette der Kausalität ersonnen

Titel: "Die Abkürzung". Man ahnt es schon: Hier wird die Route der Normalität - der "weite, weite Weg" - verlassen, und schon feiert die Unordnung der Dinge fröhliche Urständ. Ja, wenn er doch nicht, oder hätte sie nur!

Jede Woche spannt Albert sein Pferd, die Jule, vor den Karren, und dann bringen sie Melonen zum Verkauf in die Stadt. Just heute hat der Albert eine unwiderstehliche Lust auf die Abkürzung, um sich den "weiten, weiten Weg" zu ersparen. Und so bleibt ihm auch die Zeit für eine Pause im Eisenbahn-Café.

Die Jule bindet er zum Grasen kurzerhand an den Stellhebel einer Weiche. Oh, Albert! Unterwegs dann noch ein dickes Seil im Wege: Das wird entknotet, weg damit. Oh, Albert!

Mit hochempfindlichen Schmetterlingseffekten hält sich Macaulay gar nicht auf, entwirft ein Chaos alter Schule. Das Walten des Mißgeschicks ist rustikal sichtbar: eine verstellte Weiche, ein entfesselter Ballon, in dessen Korb der Ornithologe Professor Kuckuck nun, vom Winde verweht, auf die Turmspitze einer Kathedrale zutreibt. In jedem Kapitel neue Spieler, neue Opfer, sie alle verheddern sich zur rechten Zeit am falschen Ort.

Die Bilder sind Schnappschüsse der Domino-Inszenierung, flinke Striche, schnelle Schnörkel, lebhafte Skizzen, alles, was nötig ist, mehr nicht. Ein Bilderbuch aus der Lust an der Ursachenforschung. Ja, wenn er doch nicht, oder hätte sie nur.