Geben Sie mir bitte einen Rat: Wen soll ich wählen, oder sagen Sie mir wenigstens, was Sie wählen, fragte mich kürzlich ein Jungwähler. Antwort: "Ich wähle nicht weltanschaulich, sondern immer antizyklisch, um die Opposition zu stärken: Also in Hamburg CDU, im Bund SPD."

Würden Sie auch die PDS wählen? Ja, aber nicht aus diesem Grunde, sondern weil ich es absurd finde, die PDS auszugrenzen und zu erklären: Mit der sprechen wir nicht. Wer das tut, darf sich nicht wundern, wenn die antiwestliche Stimmung im Osten wächst und mit ihr die Zahl der Protestwähler. Denn jene haben in ihrer Mehrzahl ja nicht Heimweh nach dem System, sondern wollen nur geachtet werden. Richard Schröder, der heutige SPD-Mann, der zur Opposition in der DDR gehörte, sagt: "Die PDS ist keine Partei, die den Umsturz plant."

Repression erzeugt immer Solidarisierung: Als Bismarck 1878 das "Sozialistengesetz" ersann, mit dem er die 1875 gegründete sozialistische Arbeiterpartei eingrenzen wollte, wuchs die Partei in den zwölf Jahren bis zur Aufhebung des Gesetzes von 400 000 auf 1,4 Millionen Mitglieder an.

Man muß ja auch bedenken, daß es in den neuen Ländern 197 PDS-Bürgermeister gibt und in den Kommunalparlamenten 6000 PDS-Abgeordnete sitzen, die konstruktiv mitarbeiten.

Es ist klar, daß die alten Parteien die PDS gern als Schreckgespenst für den Wahlkampf instrumentalisieren. Auch in Polen war es typisch, daß Kwaniewski - ein ganz liberaler Mann - als Chef der "Demokratischen Linken" stets mit dem Zusatz "Neo-Kommunist" apostrophiert wurde. Als Präsident aber hat er für alle sichtbar inzwischen die Reformpolitik seiner Vorgänger fortgesetzt.

Im Parteiprogramm der PDS finden sich noch die alten Denkmuster - die müssen gestrichen werden, wenn sie als moderne Partei gelten will. Dies freilich ist nur möglich, wenn sie nicht ins Abseits verwiesen wird.