Bundesumweltministerin Angela Merkel zerbricht sich zwar noch den Kopf darüber, wie sie Atommüll-Transporte in ausländische Wiederaufarbeitungsanlagen zukünftig strahlenfrei schicken kann - doch in die Umwelt gelangt das Zeug irgendwann sowieso zum Beispiel nahe der nordenglischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield, die bei manchen Wissenschaftlern längst als öffentliches Sicherheitsrisiko gilt (siehe ZEIT Nr. 27/98).

Auch ohne daß es zu einem Unfall kommt, verseucht die Anlage allein durch ihren ganz normalen Betrieb die Umwelt mit Radioaktivität. Das beweisen die jüngsten Untersuchungen von Greenpeace. Die Umweltschützer haben in der Nähe von Sellafield kürzlich Proben von Meerwasser, Meeresgetier und Meeresboden entnommen und zur Analyse teilweise nach Deutschland per Schiff transportiert. Prompt beschlagnahmten die deutschen Behörden das Material.

Denn erste Tests von Greenpeace in Großbritannien hatten ergeben: es ist so hochgradig radioaktiv verseucht, daß es nach deutschem Recht schlicht Atommüll ist, für dessen Transport besondere Auflagen gelten.

Untersuchungen des Hamburger Amtes für Umweltschutz haben dies nach Angaben von Greenpeace inzwischen bestätigt. Die Sellafield-Betreibergesellschaft BNFL sieht allerdings keinen Grund zur Panik: "Diese Zahlen sind konsistent mit unseren eigenen Ergebnissen."

BNFL will seine Geschäfte mit dem Atommüll künftig noch ausdehnen: Die Gesellschaft übernimmt mit dem US-Partner Morrison Knudsen das Atomgeschäft des US-Unternehmens Westinghouse und wird ein "World Player" in der Branche.