Tanz um Worte, das sei nicht seine Welt, sagte Jost Stollmann in einem seiner zahlreichen Interviews. Der Computer-Unternehmer, der Wirtschaftsminister unter einem Kanzler Schröder werden soll, will nicht reden, er will handeln.

Inwieweit sich seine dynamische Form von Erneuerung zwischen den Aktenstapeln eines Ministeriums organisieren ließe, wollte der Spiegel von ihm wissen.

Stollmann antwortete: "Die gestalte ich notfalls auf Apfelsinenkisten." Ein Mann wie ein Vitaminstoß Worte, die unter die Schale gehen.

Als der "Politikwechsel-Kongreß" der SPD begann, war Stollmann schon im Urlaub. In Berlin versammelte sich, vielleicht zum letzten Mal, "die alte Denke" (Stollmann). Wacker schwitzten seine designierten Kabinenettskollegen in den Foren über Außen- und Sozialpolitik, Wirtschaftsförderung und innere Sicherheit.

Schröder spürte den Erklärungsbedarf und verteidigte Jost Stollmann im Auditorium als einen "Mann, der seinem Land helfen will und der nicht danach fragt, ob er damit gegen den Comment der eigenen Gruppe verstößt". Die Partei applaudierte und vergaß darüber den bösen Umkehrschluß: Wer im sozialdemokratischen Comment verharrt, hat, Schröder zufolge, mehr Mühe, dem Land zu helfen.

Im staatstragenden Teil seiner Ansprache, der historisch herleiten sollte, warum das wiedervereinigte Deutschland von einem Sozialdemokraten regiert werden muß, spann der Kanzlerkandidat einen Bogen von Jürgen Habermas über Konrad Adenauer zu Willy Brandt, weiter zu Philipp Scheidemann und Friedrich Ebert, bis er schließlich wieder bei einem Philosophen landete: "Weil vor mir schon Hegel in Berlin war", sprach also Schröder, "laßt mich am Schluß auch das sagen: Vielleicht will es ja die List d er Vernunft, daß der erste Kanzler, der die vereinigte Sozialdemokratie ...", der Rest versank in Gelächter.

Die vereinigte Sozialdemokratie. Die war Genossen schon immer näher als das vereinigte Deutschland, spotteten böswillige Beobachter. Aber so ist Schröder gar nicht. "Immer wenn ich pathetisch werde", erklärte er seinen Lapsus lachend, "geht es schief."