Es ist nun mal eine Tatsache, daß manche Experimente (besonders in der Spitzenforschung) gar nicht so einfach zu reproduzieren sind. Das hat wenig mit den fehlenden finanziellen Mitteln zu tun, sondern viel mit den raren Personen, die in Theorie und Experiment Herausragendes zu leisten vermögen.

Wer behauptet, jedes Experiment aus seinem Fachbereich wiederholen zu können, dürfte seine Fähigkeiten überschätzen.

Das heißt nicht, daß wir alles kritiklos hinnehmen müssen. Bleiben offene Fragen bestehen, versucht man, durch bewußt anders aufgebaute Experimente Klarheit zu erlangen. Ergeben sich daraus neue Erkenntnisse, wird zunächst das Modell erweitert. Von einer bewiesenen "Fälschung" kann noch keine Rede sein. Wenn aber weitere Resultate aufkommen, die gegen die ursprünglichen Ergebnisse sprechen, werden diese immer kritischer betrachtet. Spätestens dann kommt die Frage auf, was in der Wissenschaft eigentlich "Wahrheit" ist (und nur darum geht es). Denn wenn neun von zehn Arbeitsgruppen die Ergebnisse der 10. Arbeitsgruppe nicht bestätigen können, kann die letztere Gruppe der Wahrheit trotzdem am nächsten gekommen sein - weil sie zum Beispiel als einzige einen (noch nicht erkannten) systematischen Fehler nicht begangen hat. Es wäre lediglich etwas unwahrscheinlich. Mit dem Wort "Fälschung" sollte man auch in diesem Fall sehr vorsichtig umgehen.

Dr. Peter Langheinrich Feucht

Die Forderung nach Reproduzierbarkeit der Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung ist nicht, wie der Autor schreibt, ein Mythos, sondern einer der unabdingbaren Grundpfeiler wissenschaftlicher Suchstrategien und daraus resultierender Erkenntnisgewinne, aus denen wir gegebenenfalls reproduzierbare allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten ableiten. Wenn wir uns von diesem Postulat verabschieden, brauchen wir eine wissenschaftliche Forschungsstätte gar nicht erst zu betreten, sondern könnten uns am grünen Tisch ein Weltbild zaubern, das jeglicher Realität entbehrt und nur in der Vorstellungskraft des Zauberers existiert.

Wenn wir den Aufstieg auf der Karriereleiter durch Akzeptanz von Unlauterkeit fördern, haben wir falsche Auswahlkriterien und sollten uns schleunigst nach valideren umschauen.

Prof. Dr. K.-Fr. Sewing Medizinische Hochschule Hannover