Aufschlußreich, wirklich aufschlußreich, was der Herr Gentz, seines Zeichens Finanzchef des Daimler-Benz-Konzerns, zur Verteilung der Einkommen zu sagen hat. Man fragt sich dann allerdings nur: Was soll am Sozialismus eigentlich so schlecht sein?

Markus Weidmann Göppingen

Während sich viele Experten die Köpfe darüber zerbrechen, wie die Arbeit der Zukunft sozialverträglich gestaltet werden könnte, ist es für die Herren Stihl und Gentz ganz im Sinne einer (markt)gerechten Gesellschaft, wenn das Volk mit Billiglöhnen abgespeist wird, während die Herrscher über die Wirtschaft ihre Managerlöhne in schwindelerregende Höhen treiben. Stärker läßt sich volkswirtschaftliche Blindheit kaum ausdrücken. Und sie wähnen sich auch noch auf der Höhe der Zeit, ohne zu merken, daß der Kapitalismus bei konstanter Naturunverträglichkeit bereits eine gewisse Sozialverträglichkeit erreicht hatte, um jetzt wieder die Schere zwischen Armut und Reichtum zu öffnen und so in die Zustände des 19. Jahrhunderts zurückzufallen.

Wie dabei der Sinn für Relationen verlorengeht, zeigt Hans Peter Stihl, wenn er sagt, man könne Daimler-Chef Schrempp nicht wie eine Näherin aus dem Erzgebirge bezahlen. Da läge doch die Frage näher, warum der Kaufmann Schrempp so viel mehr verdient als der Professor für Maschinenbau X, der ja erst die technischen Grundlagen für Produktion und Vermarktung geschaffen hat.

Offensichtlich geht es hier um etwas ganz anderes, nämlich um einen Statuswettbewerb. Ähnlich verschwendeten früher die Fürsten das Geld, indes ihre Völker darbten. Ähnliches kannte man auch bei gewissen Indianerstämmen der Nordwestküste mit der Institution des "Potlatsch". Das waren Feste, wo sie ihren Reichtum zur Schau stellten. Konnten sie aber einander nicht mehr mit Hab und Gut übertrumpfen, begannen sie einen Vernichtungswettbewerb.

Das Modell der "Bürgerarbeit", wird weniger betuchten Mitbürgern empfohlen.

Wenn hochdotierte Managern eines Tages von den Zinsen ihres Vermögens leben können, was läge da näher, als daß sie ihren Status dadurch betonten, daß sie es nicht mehr nötig hätten, Geld zu verdienen, sondern ihre unternehmerische Tätigkeit als unentgeltliche "Bürgerarbeit" ausübten? Das Geld, welches dadurch frei wird, ließe sich gut in Stiftungen für kulturelle, soziale und ökologische Zwecke einbringen. Denn unternehmerische Tätigkeit als kreative Aufgabe ist in sich schon so befriedigend, daß sie eigentlich keiner Kompensation durch materielle Güter bedarf - das übrigens im Gegensatz zu der Näherin aus dem Erzgebirge.