Können Sie, lieber Leser, spüren, daß der Wind sich dreht? Seien Sie gewiß: Es kommt ein Morgen, immer wenn die Nacht vergeht. Erste Anzeichen dafür gab es beim Leipziger SPD-Parteitag im April, als die Sozialdemokraten auf das Absingen von traditionell-sozialistischem Liedgut verzichteten.

Wahrscheinlich war "Wann wir schreiten Seit' an Seit' und die alten Lieder singen" wirklich nicht das richtige Musikstück, um die SPD 2000 (Müntefering, Internet, Stollmann) zu repräsentieren und auch die Siebziger-Jahre-Parteiballade "Das weiche Wasser bricht den Stein (... und sind wir schwach / und sind wir klein / wir wollen wie das Wasser sein ...)" wurde aus verständlichen Gründen immer seltener angestimmt. Doch jetzt ist, was unerreichbar war, auf einmal ganz nah. Lang, lieber Leser, haben auch wir davon geträumt, vom Licht am Horizont. Die Chance ist da: Seit vergangener Woche gibt es ein neues, modernes, optimistisches SPD-Lied auf CD, ein Lied, das zweifellos den Politikwechsel in Deutschland herbeischmettern wird.

Was kulturschaffenden Kampfgruppen der Arbeiterklasse (Geier Sturzflug, Klaus Lage) im Auftrag der IG-Metall jüngst noch mißlungen war - die neue Gewerkschafts-CD "Auf Wiedersehen" verharrt in rückwärtsgewandten Kanzlerschmähungen -, die Rocksängerin Anne Haigis schafft es: Das SPD-Zukunftsprogramm in 3'40. Und alle zusammen: Laßt uns die neue Zeit beginnen, die Besten soll'n gewinnen ...