Sie kennen Shola nicht? Also, Shola ist eine kleine weiße Hündin, stammbaumtechnisch möglicherweise eine Kreuzung zwischen Zwergterrier und Minischnauzer, halbe Wadenhöhe. Da bekannterweise aber Statur nicht alles ist, glänzt Shola auf anderen Gebieten. Da wäre etwa ihr ausgeprägtes Selbstbewußtsein anzuführen, verbunden mit einem Hang zur Behaglichkeit und der Liebe zu duftenden, knusprig gebackenen Pommes frites.

Sie finden, daß Bernardo Atxaga das gewitzte Tier mit verdächtig menschlichen Charakterzügen ausgestattet hat? Wie wahr! Der baskische Autor, als Grenzgänger zwischen den Sparten bekannt, ist ein Meister der Parabel. Dabei stilisiert er seinen Text kein bißchen, würzt ganz einfach mit einer Prise Philosophie, einem Tupf Selbstironie und einer Portion Humor. Mikel Valverde, der junge baskische Illustrator, folgt demselben Rezept, nutzt die Situationskomik nach allen Regeln der Kunst, erliegt jedoch nicht der Versuchung, die pointierten Szenen zur schrägen Karikatur aufzumotzen.

Doch nun zur Sache: Sholas Mensch, Herr Grogó, hat sich zur Wildschweinjagd überreden lassen. Die Last dieser Verpflichtung drückt schwer, ächzend gesteht er seinem Hund den Fehler und - erntet Empörung. Ja, Shola verachtet derart zage Gefühle und beschließt vorbildhaft, ihn auf der Hatz zu begleiten. "Ich werde dafür sorgen, daß all diese verdammten Wildschafe oder Wildschweine Fersengeld geben." Wie die Biester aussehen, weiß die mutige Jägerin bereits aus ihren Träumen. Scharenweise sind da "schwarze Schafe mit großen Schnauzen" vor ihr, grüner Lorbeerkranz auf stolzem Haupt, geflüchtet.

Sie ahnen, was jetzt kommt? Richtig, Bernardo Atxaga steuert die Stunde der Wahrheit an. In der Bibliothek des Jagdschlosses trifft Shola auf "den ausgestopften Kopf eines häßlichen Tieres mit unglaublich weißen Hauern". Das Ding hängt zwar hoch an der Wand, erfüllt jedoch seinen Zweck. "Der Hauch des Zweifels" schlägt in entsetzliche Erkenntnis um.

Der Rest: das Angststottern "Prof, pruff, purruf, parraf", das kleine Herz "Pump! Pamp! Pump! Pamp!", im Wald macht's "Krisch krasch" - und plötzlich ist alles klar: "Zum Kuckuck mit den Helden und den Lorbeerkränzen! Ich will zurück in meinen Sessel!"

Und die Moral von der Geschicht? Die schillert in so tierisch schönen Farben, daß es schwerfällt, sich für eine einzige Facette zu entscheiden. Wie wär's statt dessen mit einem zweiten Hunde-Abenteuer? "Shola und die Löwen" möglicherweise. Es steht den Wildschweinen in nichts nach.