Glaubt man Microsoft, so befinden wir uns in einem "Super Wahl-Ja". Wer ja sagt (und 207 Mark zahlt), bekommt mit Windows 98 eine Auffrischung für seine Festplatte. Obwohl das System technisch wenig Neues bietet und obwohl einige Hersteller vor der Installation warnen, ist das Geschäft mit Windows 98 glänzend angelaufen. Selbst die Tatsache, daß Windows 98 mit dem hauseigenen Office 97 Probleme hat, scheint niemanden am Kauf zu hindern. Ist das neue Windows nämlich auf der Platte, erfährt der Kunde in einem kleinen Hinweis, daß er seine Microsoft-Anwendungen komplett neu installieren muß. Dafür muß sich der Office-Besitzer zwar zusätzlich das sogenannte "Service Release1" anschaffen, aber auch das soll nur Vorteile bringen.

Der gute Start von Windows 98 ist der Ausdruck allgemeiner Stagnation in einer Softwarebranche, in der kleinste Neuerungen gleich als Riesenschritte in der PC-Evolution gefeiert werden. Verglichen mit dem Tempo, in dem neue Programme rund um das Internet entstehen und wieder verschwinden, schreitet die PC-Branche gemächlich voran. Wenige Firmen produzieren noch Software, die für einen einzelnen PC konzipiert wurde. Die vielbeschworene einfache "Client/Server-Architektur", in der komplexe PC-Programme mit ebenso komplexen "Mittelschichten" auf den Servern kommunizieren, ist selbst für Fachleute ein richtiger Verhau geworden. Für eine Firma wie Microsoft, die an allen Fronten tätig ist, ergibt sich damit eine kuriose Situation: Sie muß (wie früher) immer neue Features und Verbesserungen ankündigen, intern aber das Tempo der Entwicklung drosseln. Früher verspätete sich Microsoft-Software nur, heute magert sie dabei ab.

Viele Firmen, die in Vorgriff auf das "unternehmensstabile NT 5.0" bereits auf Windows NT umgesattelt haben, befinden sich damit in einer misslichen Lage. Denn die aktuelle Version ist noch nicht so stabil, wie sie es eigentlich für ein uneingeschränktes "Ja" sein müßte. So brachte Windows NT in der letzten Woche das Kunden-Buchungssystem der englischen National Westminster Bank fast zum Einsturz. Ein Fehler im NT-Betriebssystem führte dazu, daß Scheckkarten an den 3200 Geldautomaten der Bank eingezogen wurden, obwohl die Konten allesamt im Haben waren. Microsoft reagierte auf den Fehler und ließ das Team der Top-Entwickler seiner NT-Abteilung nach London einfliegen. Über hundert Spezialisten, Programmierer der Bank inbegriffen, mühen sich seitdem, das Buchungssystem zu stabilisieren. Immerhin besitzt die Bank "eine der größten NT-Installationen der Welt" und ist Referenzkunde einer "Ja zu Microsoft"-Kampagne. Wer ja zur Suppe sagt, muß sie auch auslöffeln.