Viele Studenten zieht es für ein oder zwei Semester an eine Universität im Ausland. Großbritannien, Frankreich, Spanien und die USA gehören dabei zu den beliebtesten und somit auch überfüllten Zielen. Oft beklagen sich Auslandsstudenten über fehlenden Kontakt zu den Einheimischen, die sich in den internationalen Wohnheimen kaum blicken lassen. Und so bringen sich die Studenten verschiedenster Nationen die fremde Sprache schließlich gegenseitig bei.

Ganz anders in unserem östlichen Nachbarland: Wer sein Auslandsstudium in Polen mit der GFPS organisiert, fährt garantiert nicht nur mit einem Adreßbuch voller polnischer Freunde und Bekannter zurück, sondern hat das Polnische garantiert auch von den Polen selbst erlernt. Hinter GFPS verbirgt sich ein Verein mit dem Namen "Gesellschaft zur Förderung von Studienaufenthalten polnischer Studierender in Deutschland". Seit der Gründung vor knapp fünfzehn Jahren hat sich an der Bezeichnung zwar nichts geändert, inzwischen aber fördert der Verein auch das Auslandsstudium deutscher Studenten in Polen. Der eigentliche "Vater der Idee" heißt Georg Ziegler, heute bei der Europäischen Kommission in Brüssel beschäftigt. Vor fünfzehn Jahren war er Jurastudent. "Damals war das einfach eine konkrete Antwort auf eine konkrete Frage", sagt er zu seinen Motiven. Ziegler verbrachte Anfang der achtziger Jahre drei Semester an der katholischen Universität Lublin, und dort fragten ihn polnische Kommilitonen immer wieder dasselbe: Wie kann man ein Semester in Westdeutschland studieren? Einem Studium in der DDR stand offiziell nichts im Wege, doch dahin zog es die meisten nicht. Georg Ziegler, zurück in Deutschland, holte 1983 den ersten Studenten auf ganz privater Basis an eine westdeutsche Uni. Mit der Aktion "30 mal 20" hatte Ziegler dreißig deutsche Studenten gefunden, die fünf Monate lang monatlich 20 Mark spendeten - und so ein Stipendium für einen polnischen Philosophiestudenten aufbrachten.

Die studentischen Gastgeber kümmern sich um alles

Um eine optimale Betreuung zu garantieren, werden GFPS-Stipendien sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite nur für solche Unis vergeben, an denen sich ehemalige Stipendiaten engagieren. In Deutschland können die polnischen Studenten unter zwanzig Universitätsstädten wählen, in Polen unter acht bis zehn. In den vergangenen Jahren wechselte pro Semester rund ein Dutzend Studenten die Seiten. Finanziert wird das Projekt zu großen Teilen von der Robert-Bosch-Stiftung und der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit. Letztere allerdings wird Ende 1999 ihre Arbeit einstellen, und so sucht der Verein schon jetzt nach Sponsoren.

Oliver Menge aus Hamburg ist im April mit einem GFPS-Stipendium für ein Jahr nach Warschau gezogen. Sein Terminkalender für die ersten Tage in Polen war bereits vor seiner Abfahrt voll. In Warschau wurde er von Freunden und ehemaligen Stipendiaten, die in Hamburg studiert hatten, schon erwartet. Seine Betreuer hatten ihm ein Zimmer organisiert, sich um die Immatrikulation gekümmert - und bis zum Ende seines Aufenthaltes werden sie ihm Polnisch beigebracht haben. "Gerade weil die deutschen Studenten die Sprache oft nicht beherrschen, ist eine gute Betreuung wichtig. So kommt man nicht in die Verlegenheit, sich zurückzuziehen und lieber Kontakt zu deutschsprechenden Studenten zu suchen", sagt Friedemann Lutz.

Magda Szwochertowska aus Poznan studierte im letzten Wintersemester über die GFPS in Saarbrücken. Mit ihr begann dort auch eine DAAD-Stipendiatin aus Polen: "So hatte ich einen guten Vergleich. Diese Studentin hatte überhaupt keinen Ansprechpartner. Meine Betreuerin kümmerte sich dann auch um sie." Magda hat das deutsche Studentenleben in vollen Zügen genossen. Zurück in Polen, fehlen ihr vor allem deutscher Wein und Geselligkeit. So ist sie froh, noch genügend Freunde in Deutschland zu haben, zu denen sie immer wieder reisen kann. Manchmal wünscht sie sich, daß Polen nun endlich zur EU gehöre, dann könnte sie vielleicht sogar in Deutschland einen Job finden. Nur die wenigsten polnischen Studenten wollen allerdings in Deutschland bleiben. Viel größer ist der Wunsch, mit dem Gelernten in Polen etwas aufzubauen. "Die polnischen Studenten sind unheimlich wißbegierig", sagt Friedemann Lutz. "Sie saugen alles auf, was von außen kommt."

Die deutschen Studenten begeistert an Polen vor allem die Aufbruchstimmung, die besonders in Großstädten zu spüren ist und die sie selbst aktiver und dynamischer werden läßt. "Es hebt das Lebensgefühl, wenn die Leute nicht so miesepetrig sind", sagt Oliver Menge. Natürlich erhoffen sich viele mit der ungewöhnlichen Fremdsprache auch einen Bonus für ihre eigene berufliche Entwicklung. Und so schließt es kaum einer aus, irgendwann nach Polen zurückzukehren.