Es war eine mal wieder große Zeit, und seit Samstag ist sie vorbei. "Unsre Taten sind nur Würfe/In des Zufalls blinde Nacht./Ob sie treffen, ob sie zählen?/Wer weiß das in seinem Schlaf?" Die Österreicher können verlieren (wie diese Zeilen von Grillparzer in Demut und Schönheit beweisen); die Deutschen können es nicht. Sie verlieren in Wahrheit auch nie: Ihre Niederlagen werden verursacht. Beim Zehnkampf sind es die Verletzungen, beim Skisport ist es das Material, und bei Köpke war es die Sonne oder dieser verflixte neue Ball, der sozusagen nur scheinbar rund ist. Für Kohler hat der Schiedsrichter das Spiel verloren, und auch der Bundestrainer kann sich nicht zu der schlichten Einsicht durchringen, die Kroaten hätten besser gespielt. Die Kroaten? Besser?! I wo! Deutschland, "die verfolgende Unschuld" (wieder ein Österreicher, der Name ist der Redaktion bekannt), ist einmal mehr gekränkt um sein Verdienst gebracht, und eine ganze Nation sieht aus wie Möllers Unterlippe.

Humor könnte da helfen. (Es tut gar nicht weh, verschollen zu sein, heißt es bei Schnitzler: so leise und mit Schlagobers, so unnachahmlich österreicherisch, so herzblattverweht und mit Alpenblick auf das eigene kleine Schicksal...) Aber wie lernt man Humor und Verlieren, wenn nicht durch Prellungen des Geistes statt des Kniegelenks? Wo doch das Knie eine viel interessantere Sache ist, leichter zu schienen und zu verbinden, niemals einsam... Urlaub am Wolfgangsee kann eine geeignete Maßnahme sein. Wir kennen einen, der macht das jedes Jahr, und der fand am Samstag im Fernsehen die richtigen Worte. Schade, sagte der Kanzler sinngemäß in seinem bisher besten öffentlichen Auftritt, aber so ist es nun einmal: Wir haben verloren.

Das Länderspiel Deutschland-Österreich wird mit Stifter vorzeitig abgepfiffen.