In der Szene der Planetenjäger sind Geoffrey Marcy und Paul Butler die Stars. Seit 1996 war das Astronomenduo von der University of California in Berkeley an der Entdeckung von fünf Planeten außerhalb unseres Sonnensystems beteiligt - fünf von insgesamt neun Nachweisen.

Nun ist ihnen ein weiterer Coup gelungen: Am 22. Juni präsentierten die beiden auf einer Fachkonferenz Beobachtungen eines kleinen roten Sterns namens Gliese 876 im Sternbild Wassermann, nur 15 Lichtjahre von uns entfernt. Jahrelang hatten Marcy und Butler den Roten Zwerg immer wieder beobachtet, dann waren sie sicher: Gliese 876 wird von einem Planeten umkreist, der etwas größer ist als Jupiter.

Allerdings müssen die beiden Astronomen den Entdeckerruhm diesmal mit ihrem europäischen Kollegen und Konkurrenten Xavier Delfosse teilen. Auch dessen Team hatte Gliese 876 schlingern sehen und lediglich etwas länger an der Auswertung der Daten gefeilt. Zu den Mitarbeitern von Delfosse gehörte auch Michel Mayor, der Entdecker des Planeten um den Stern 51 Pegasi, der 1995 ein großes Medienecho und dann einen wissenschaftlichen Streit ausgelöst hatte, ob Planeten die einzige Erklärung für das beobachtete Sterngezappel seien. Mittlerweile sind die meisten Zweifler überzeugt, und 51 Pegasi zählt zu den Sternen, die mit einiger Sicherheit mindestens ein Planet umkreist.

Bis vor kurzem wurden nur relativ schwere gelbe Sterne (wie unsere Sonne) als Muttergestirne potentieller Planeten identifiziert. Die aber stellen nur rund sieben Prozent aller Sterne. Wichtig an der jetzigen Entdeckung ist, daß Gliese 876 zu einer Klasse von Himmelskörpern zählt, die 70 Prozent aller Sterne in unserer Milchstraße umfaßt. Von den 150 sonnennächsten Sternen sind 120 Rote Zwerge. Diese sind massearm, ihr nukleares Feuer brennt schwächer und langsamer als in schwereren Sonnen. Wenn auch die roten Winzlinge bei ihrer Entstehung Trabanten bilden, dann sollte es mindestens so viele Planeten geben wie Sterne - allein in unserer Milchstraße an die hundert Milliarden.

Auf wie vielen dieser Planeten Leben möglich ist, bleibt völlig offen. Der Begleiter von Gliese876 dürfte dafür ungeeignet sein, denn vermutlich handelt es sich um einen Gasplaneten, ähnlich dem Jupiter. Er umkreist sein Zentralgestirn auf einer stark elliptischen Bahn, ist ihm dabei aber stets näher als Merkur der Sonne. Während die hell genug leuchtet, um auf der Tagseite des innersten Planeten Blei schmelzen zu lassen, schätzt man, daß die 600mal schwächere Strahlung von Gliese 876 in der obersten Wolkendecke des Begleiters maximal minus 75 Grad erzeugt. Flüssiges Wasser - Grundvoraussetzung für Leben, wie wir es kennen - könnte es höchstens in tieferen Schichten in Form feinverteilter Tröpfchen geben.

"Wir sollten da nicht zuviel herumspinnen", meint Geoff Marcy - ein Rat, den nicht alle seiner Kollegen befolgen. Schon machen Spekulationen über Monde die Runde, die den Planeten von Gliese 876 umkreisen und auf denen Leben eine Chance hätte. Allerdings hat die Spinnerei oft Methode: Fremde Planeten, auf denen Leben existieren könnte, finden in der Öffentlichkeit große Beachtung - und in Zeiten knapper Forschungsmittel müssen auch Wissenschaftler gelegentlich auf die Einschaltquoten achten.