Im Feuilleton der FAZ findet sich unter dem Titel "Adieu, Pfaueninsel" ein nervigter Nachruf auf Wolf Jobst Siedlers Verlag. "Ein ganzes elementares Segment der bürgerlichen Welt", dürfen wir da lesen, "wurde dank Siedlers Verbindungen, dank seinem Charme und seiner Zähigkeit, aber auch dank seiner politischen Klugheit wieder sichtbar, lesbar, zitierbar."

Bar, bar, bar resp. brrrrrrrr - was für ein Deutsch! Hat der Alte das verdient?

Außerdem als Sachbuch für den Herbst im Bouvier Verlag vorgesehen: "Die deutsche Phrasenparade - 99 Allgemeinplätze"; ein Thema, das bei diesem Verlag ganz offensichtlich in kompetenten Händen liegt.

Doch nun zu dem geschätzten Kollegen Claus Heinrich Meyer von unserer geliebten Süddeutschen Zeitung. Gerade gratulierte er in einem langen Artikel den Franckeschen Stiftungen in Halle zu ihrem 300. Geburtstag. Leider, so muß auch er feststellen, wird Halles ansehnliche Innenstadt von einer Stadtautobahn empfindlich gestört: "Diese rücksichtslos geführte Betonmasse umschlingt, würgt und nimmt zur Geisel Halles alten Stadtkern, ein Mahnmal sozialistischen Planens."

Ein Mahnmal sozialistischen Planens - das ist nahezu exakt beobachtet, geradezu präzise benannt. Und Meyer entlarvt sensibel das ideologische Ressentiment, das in dieser Schnellstraße verborgen steckt. Sie demütige "absichtsvoll" auch das Fachwerk der Franckeschen Stiftungen "mitsamt seiner klassenfeindlichen, bourgeoisen, idealistisch-christlichen Aura..." Ein weiterer Fall für das "Schwarzbuch des Kommunismus".

Keine Frage, Claus Heinrich Meyer, Zeit wird's, endlich die Augen zu öffnen und zu sehen, wie sozialistisches Planen in unseren Städten gewütet hat. Die Ost-West-Straße in Hamburg, die Nord-Süd-Fahrt in Köln, die lange Neckarstraße in Stuttgart, der Münchner Ring. Und Frankfurt vor allem, die sozialistische Musterstadt Frankfurt am Main: von bolschewistischer Planwut vernichtet; Dom, Römer, Paulskirche, Hauptwache, alles, was der Krieg gerade noch (in Fragmenten) übriggelassen hat, steht jetzt verloren da, erwürgt, absichtsvoll gedemütigt von jenen rücksichtslosen Betonmassen, wie sie nur kommunistischer "Städtebau" zuwege bringt.

Und erst die kleinen Orte, die den Krieg meist unversehrt überstanden! Ein Örtchen wie Bergedorf bei Hamburg, das "neue" Erlangen, das einst so liebliche Bad Godesberg am Rhein... Ideologische Monstrositäten, wohin man blickt. Im pittoresken Idar-Oberstein hat die haßerfüllte Stadtverwaltung gar einen ganzen bourgeoisen Fluß unter Beton begraben, und selbst einen heiligen Ort wie Heidelberg verschonten die roten Horden nicht: Der alte Bahnhof wurde aus der Stadt gerissen, die Villen und legendären Hotelschlößchen an seiner Seite niedergemacht.