Warum zeigt ein Schild, was ohnehin zu sehen ist? Wie kann man das Auge zwingen, in einer Sekunde so viel zu sehen, daß eine Zeitungsseite kaum ausreicht, es zu beschreiben? Und, vor allem, warum ist das wichtig? Eine erste Antwort auf die letzte Frage: weil es mit Bildern zu tun hat. Und unsere Welt ist verbildert.

Ich fahre auf der A9 von Nürnberg nach München. Kurz nach Ingolstadt verkündet ein Schild am Autobahnrand, daß ich mich nun im "Hopfenland Hallertau" befinde; die Tafel zeigt eine Darstellung mit einer Art Gestänge und einer ländlichen Kirche. Das Bild soll wohl Mißverständnisse vermeiden, denn augenblicklich sind rundum nur Föhren auszumachen, weit und breit kein Hopfen, der Ortsunkundige könnte auch meinen, er befinde sich irgendwo an der Ostsee.

Auf der A9 Nürnberg-München ist noch allerhand mehr zu entdecken. Vor Ingolstadt erblickt der Fahrer am Straßenrand eine Tafel mit den Worten "Ingolstadt Historische Altstadt", darüber eine Illustration mit baugeschichtlichen Hits. An anderer Stelle lockt ein Blickfang mit den Worten "Kloster Weltenburg Donaudurchbruch"; an der nächsten Ausfahrt, ein paar Kilometer weiter, ist das Schild freilich fast schon vergessen; außerdem ist auf den Wegweisern von Weltenburg keine Rede mehr. Kurz vor Regensburg schreit dem Fahrenden ein weiteres Schild, mit einer Brücke und einer Kirche bebildert, "Historisches Regensburg" entgegen.

Gut alle zwanzig Minuten hat ein Schild irgend etwas mitgeteilt, das offenbar so mitteilenswert ist, daß ein Schild aufgestellt werden muß. Aber was hat der Vorbeirauschende daraus erfahren?

In Frankreich wird der Autofahrer bereits seit Mitte der siebziger Jahre über allerlei Attraktionen unterrichtet, anderswo auch, etwa in den Vereinigten Staaten; in Deutschland hingegen sind die "touristischen Hinweistafeln" (so lautet ihre amtliche Bezeichnung) jünger, sie verdanken ihre Aufstellung einer Änderung der Straßenverkehrsordnung von 1988. Davor waren Schilder an Autobahnen unzulässig, wenn sie nicht dem Verkehr dienten.

Über den Zweck der neuen Schilder sagen die "Richtlinien für Touristische Hinweise": "Die Unterrichtungstafel dient der Information über touristisch bedeutsame Landschaften und Sehenswürdigkeiten." Klingt eindeutig. Doch darüber könnte vergessen werden, wieviel an ihnen neu ist: Zuvor gab es touristische Hinweise nur an Landstraßen; sie informierten ausschließlich verbal, und zwar schwarz auf weiß. Demgegenüber ist das vorschriftsmäßig weiche "Kastanienbraun" der neuen Schilder luxuriös. Und das ist noch längst nicht alles.

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