Es gibt keine guten Techno-Partys mehr. Im "Komplex" in Basel hängen jetzt diese Pseudotypen mit Spitzbart und Buffalo-Boots ab, und ins Zürcher "Trax" kann man nur noch gehen, wenn der DJ härtere Sachen ohne Melodie auflegt. Von den neuen Clubs in der Ortenau ganz zu schweigen.

Gelangweilt sitzt Sven*, 26, auf dem Balkon in Weil und blättert durch den Tip, die Veranstaltungsbeilage der Badischen Zeitung. Seine Freundin Anke, 21 Jahre alt, will "mal wieder so richtig abtanzen". Doch Sven hat die Partys satt. Er gehört zur ersten Raver-Generation, die dem Techno den Rücken zukehrt, um nach dem "neuen, großen Ding" im Leben zu suchen.

Noch vor zweieinhalb Jahren hätte es ihn kein Wochenende zu Hause im Oberrheintal gehalten. Da war Techno für ihn ein Geheimnis, die Party eine Forschungsreise in eine unbekannte Welt.

Seine erste Techno-Party erlebte Sven mit achtzehn, ein Jahr vor dem Abitur. Es gab keine Flyer, keine Zeitungsanzeigen. Dennoch drängten sich um Mitternacht in der Zürcher Fabrikhalle 1500 schwitzende Körper: Männer mit Sechsmillimeterfrisuren, Frauen in Jeans und Glitzer-Shirt, Tunten in Abendkleid und Federboa, die sich den 160 beats per minute aus den Boxen entgegenstemmten, sieben Stunden auf einer Stelle, in einem unerreichbar fernen Kosmos.

"Du siehst die Leute und weißt, das ist es", erzählt Sven, "du tanzt nur für dich und bist gleichzeitig Teil des Ganzen."

Sechs Jahre lang ergab er sich von Freitagabend bis Sonntagmittag dem Gefühl, Teil einer Avantgarde zu sein, die in Montagehallen, Abbruchhäusern und Clubs in Basel und Zürich die ewige Party zelebrierten.

Eine Gemeinschaft, in der es keine Rolle spielte, ob der DJ Bondzio oder Georg Morell hieß, ob die Musikmagazine das, was er auflegte, Hardcore, Progressive oder Detroit nannten; in der es egal war, ob man Abi machte, eine Lehre oder gar nichts.