Eine Einladung von Herrn Rockefeller kriegt man nicht jeden Tag. Entsprechend überrascht war Günther Reitz, Strahlenbiologe beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, als er für drei Tage auf das Anwesen des amerikanischen Multimillionärs eingeladen wurde. Zusammen mit acht anderen Wissenschaftlern war er in eine Kommission berufen worden, die sich mit Berichten selbsternannter Ufo-Forscher kritisch auseinandersetzen sollte.

Hätte Reitz geahnt, daß er die Ergebnisse der Expertenrunde in der vergangenen Woche auf der Titelseite der Washington Post wiederfinden würde mit der Schlagzeile "Wissenschaftliche Kommission hält Ufo-Berichte für untersuchenswert" - vielleicht hätte er sich die Sache noch einmal überlegt.

Aber da gibt es noch die Society for Scientific Exploration (SSE). Ihr gehören Forscher an, die auf ihrem Fachgebiet angesehen sind, aber nebenher noch einem parawissenschaftlichen Hobby frönen. Auf den Kongressen der SSE geht es um Kalte Fusion, Marskanäle, Psychokinese - und eben auch um Ufos. Die Gesellschaft erhebt den Anspruch, diese Außenseiterthemen streng wissenschaftlich zu untersuchen. Kritiker halten ihr allerdings vor, unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft noch den letzten esoterischen Unsinn zu fördern.

Die führenden Mitglieder der SSE forschen an angesehenen Universitäten. Der Vorsitzende Peter Sturrock, der sich seit zwanzig Jahren mit Ufologie beschäftigt, lehrt als Astrophysiker an der kalifornischen Stanford-Universität. Sturrock traf sich Ende 1996 mit dem Multimillionär Laurance S. Rockefeller, der schon in der Vergangenheit Ufo-Studien finanziert hatte. Gemeinsam überlegte man, wie die wissenschaftliche Reputation der Ufologie verbessert werden könnte, und kam auf die Idee, eine Gruppe unverdächtiger Wissenschaftler zusammenzustellen und mit den Ufo-Berichten zu konfrontieren.

Skeptiker, die sich schon seit längerem mit der Widerlegung solcher Geschichten beschäftigen, wurden ausdrücklich nicht eingeladen. "Ich wollte einen Workshop veranstalten, keinen Zirkus", begründet Sturrock diese Entscheidung. Matthew Nisbet, Pressesprecher der Skeptiker-Organisation CSICOP, hält dem entgegen: "Das ist wie eine Gerichtsverhandlung, bei der die Geschworenen nur die Argumente der Anklage zu hören bekommen."

War das angebliche Ufo nur ein gewöhnliches Frisbee?

Günther Reitz wußte nichts von dieser Vorgeschichte, hatte sich auch noch nie ernsthaft mit Ufos auseinandergesetzt. So flog er Ende September 1997 nach Tarrytown im US-Staat New York. Der Millionär sorgte für ein angenehmes Ambiente: "Abends saßen wir in den Palästen von Rockefeller zusammen. Das war schon beeindruckend, mit sechzig Picassos und so", schwärmt der deutsche Ufo-Forscher Illobrand von Ludwiger, der als Experte geladen war.